Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 644 (sequence 13)
- Language
- German
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644 Im dsuLschen ReiL Zu solchen unerfreulichen Betrachtungen gibt die Tatsache Anlaß, daß bei der Feier des 25 jährigen Stiftungsfestes des „Vereins christlicher Referendare^ in Breslau in Anwesenheit höherer JustizbeamLen ein Komwerslied gesungen wurde, das nachstehende Strophen enthält: „Wie zum Segen keines Landes Wcrd der Fremden Aberwitz, So zum Nachteil unsres Standes Eine koschere Justiz. Hält die Augen fest verbunden Themis gegen die Gefahr, Hat die Abwehr nun gefunden Doch der deutsche Ref'rendar. Daß nicht vor der fremden Rasse Weich' der rechtsbeflifsne Christ, Daß nicht deutsche Treu' erblasse Vor der orientalischen List, Daß nicht mit der Nasenlänge Glänze unsere Justiz, Brachte vor aus ihrer Enge Die um Stillfried-Rattonitz.^ Wegen des antisemitischen Kommersliedes, das die Feier des Vereins der christlichen Referendare in Breslau zu einerpolitischen Parteikundgebung gestaltete, haben die jüdischen Richter, Rechtsanwälte und Referendare in Breslau eine Beschwerde an den Breslauer Oberlandesgerichtsprästdenten und den Justizminister gerichtet. Die „National-Zeitung" veröffentlichte eine Zuschrift eines älteren Berliner jüdischen Juristen, der darin seiner Entrüstung in folgenden Worten Ausdruck verleiht: „Haben diese Herren so wenig Verständnis für ihren Beruf, daß sie sich nicht fürchten, einer ganzen Volksklasse, für welche sie doch auch den unantastbaren Anspruch auf -Parteilosigkeit sorgsam zu hüten haben, offen gehässige Feindschaft in rohen Kundgebungen anzuzeigen? Man ist empört über die an russischen Juden begangenen Mordtaten. Hat man gar keine Empfindung dafür, daß an den deutschen Juden, wenn auch nicht an Leib und Leben, doch an Geist und Gemüt durch Brutalitäten oben angezeigter Art gleichwertige Mißhandlungen verübt werden? Die deutschen Juden sind nicht in der Lage der russischen Juden, welche wenigstens versuchen konnten, mit der Waffe in der Hand sich zu verteidigen, ihnen bleibt gegen solche Schmähungen nur die Flucht in