Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 642 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316739--14498-2335998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
642: Im dbrttschM Mich. hereingebrochenen Not gaben wir unfern jüdischen Notabeln den Rat, in ihren Ausrufen bei der Wahrheit Zu bleiben, damit die Hilfsaktion nicht zu einer Vorschublciftung jüdischer Mordbrenner und Bombenwerfer ausacte.^ Das „Bayerische Vaterland" zeigt sich ebenso empört und zetert: „Wir sagen Taschen zu. Es wird wohl kein Christ so charakterlos sein, da auch nur einen Pfennig zu schwitzen. Aber auch die Juden sollten es sich dorp lt und dreifach überl gen, ob sie unter dem Mantel der Wohltängktit die Revolution in Rußland unterstützen dürfen. Denn die gesammelten Gelder kommen ja doch nicht den „notleidenden" Juden zu gute, sondern sollen die russische Revolution stärken. Aus diesem Grunde sollten eigentlich die Regierungen gegen die Sammlung etnfojreitßiu* Alle diese Leistung >n übcrbietet das in Stettin erscheinende Organ des „Deutschen Volksbundes" (bezw. des Herrn Hans von Mosch, Prof. Dr. Paul Förster, Rechtsanwalt Jüngst u. a. m.) die , .Deutsche Hochwacht", die in einem „Das wäre ja noch schöner" überschriebenen Artikel ausführt: „Unter den Aufrufen finden wir, wie gesagt, nicht nur Judennamen, sondern z. B. Regierungsräte, Lrndräte, Bürgermeister, Prälaten, Schulräte, Lehrer, Postdirektoren, deutsche Redakteure (die doch ganz gewiß wissen, wie der Hase läuft) und dergleichen mehr. Ihr deutschen Michel, schlagt doch diesen Volksverrätern die Schädel ein! Bildlich natürlich." Unverkennbar sind die vorerwähnten Großmeister des „Deutschen Volksbundes" bei dem ehemaligen Amtsvorsteher von Klein- Tschirne in die Schule gegangen; sie vergessen dabei nur, daß Graf Pückler von den Berlinern kaum noch ernst genommen wird, daß er aber auch durch seine tollen Reden natürlich w der Willen der sogenannten „Berliner Bewegung" vielleicht mehr Emhalt getan hat, wie irgend ein anderer. Trotzdem gereicht es der Hauptstadt des Deutschen Reicht s kaum zur Ehre, daß in ihr derartstes noch geduldet und selbst des Ulks wegen bejubelt wird. Die katholische „Köln. Volksztg." äußert sich darüber wie folgt: „Im Laufe der Jahrzehnte hat man hier in antisemitischen Versammlungen zwar schon manches erlebt, aber was in der letzten Zeit den Besuchern dieser Versammlungen geboten wird, dürfte anderswo doch kaum möglich sein. Es ist gewiß ein Zeichen