Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 641 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316739--14497-2335997- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 641 Geld gesammelt werden könne! In der Tat ist es auch eine Unverfrorenheit sondergleichen, für diese Mordbuben noch das Mitleid und die Mildtätigkeit des deutschen Michels in Anspruch zu nehmen." In dem Schreiben wird schlankweg behauptet, daß die Juden die lettischen Bauern gegen die konservativ denkende Gesellschaft in Riga zu Mord und Totschlag aufwiegeln. Davon hat bisher noch niemand etwas gehört! Die Dresdener „Deutsche Wacht" schreibt über die Spende des Erzbischofs von Köln: „Sie zeugt von dem guten Hsrzen des Herrn Kardinal. Vielleicht betätigt sich der Kölner Erzbischof nun auch in gleicher Weise, wenn Weihnachtsgaben für unsere Südafrikakrstger gesammelt werden." Unter der Ueberschrist „Taktvolles Verhalten" bewährt die „Deutsche Zeitung" Friedrich Langes ihren vornehmen Takt durch nachstehende Auslassungen: „Not bleibt Not, auch wenn sie durch eigene Schuld der jetzt Leidenden entstand. Wer möchte der Hilfe, die überall sich regt, mit kritischen Bedenken oder gar mit Tadel in den Arm fallen! Aber nur natürlich ist es doch auch, wenn der Wohltätigkeitsdrang sich nicht bewußtlos äußert. Mit Recht überläßt man den Raffegenossen der Notleidenden in diesem Falle den Vortritt. Sie sind ja die Bankiers der ganzen Welt, und was sie leisten können, beweist die Tatsache, daß die Sammlung bereits die Summe von einer halben Million überstiegen hat. Für uns Andere liegen aber doch andere Nöte unter allen Umständen näher. Zum Beispiel unsere Südwestafrikaner. Und für uns Andere ist es auch nicht ganz unwesentlich, daß nur die jüdischen und die vom Judentum beeinflußten Zeitungen es noch wagen, von der „Unschuld der russischen Juden ' zu sprechen, während von anderer Seite noch kein Bericht über die russischen Greuel gekommen ist, der nicht gemeldet hätte, daß kein Bevölkerungsteil der russischen Städte sich vor und während der Unruhen herausfordernder, unbotmäßiger, aushetzender und frecher benommen habe, als der jüdische. Rücksichtsvolles Schweigen (!) wäre hier also auf beiden Seiten — bei Juden wie Nichtjuden — das einzig Richtige und jedenfalls das einzig Taktvolle." — Die jetzt angeblich „gemäßigte" „Staatsbürger-Zeitung" erklärt: „Anläßlich des Zusammentritts jüdischer Hilfskomitees zur Steuerung der über einen Teil ihrer russischen Glaubensgenoffen