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Im deutschen Reich · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. 638

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-12-01
Page
638 (sequence 7)
Language
German
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Im deutschen Reich. 638 behörden organisiert worden seien, sowie zur Ausrottung der Anschauungen von der Rechtlosigkeit der Irden. Die Gleichberechtigung der Juden erscheine jetzt als eine MHnähme der praktischen Politik; die Aufhebung aller beschränkenden Gesetze, Vorschriften und Erlasse sei unaufschiebbar. Die Opfer der russischen Judenmetzeleien schauen den Tag der Freiheit nicht mehr, aber ihre Hintcrlassenen und die ihrer Habe Beraubten sollen und werden es empfinden, es gibt „ein europäisches Gewissen", wenn auch nicht dort, wo es Max Nordau gesucht haben will, sondern in den Kreisen der russischen Intelligenz selbst und in allen guten Menschen der Kulturstaaten, denen der Gedanke nicht fremd sein kann, daß der Jude „auch ein Mensch, sozusagen" ist. Was bei dem Kampf ums Recht bisher noch nicht erzielt werden konnte, das wird hoffentlich die edelste Regung des Menschenherzens, das Mitgefühl, herbeiführen. Wie dies hocherfreulicherweise auch Ln anderen Staaten der Fall ist, so finden sich in dieser Empfindung auch in Deutschland angesichts des grenzenlosen Elends der russischen Juden zahlreiche Männer der verschiedensten politischen Richtungen, der verschiedensten religiösen Bekenntniffe zusammen, um in öffentlichen Protesten ihren Gefühlen Luft Zu machen und durch reiche Spenden das von verblendeten Fanatikern angencktete Unglück zu lindern und damit gegen den Frevel an der Menschheit sühnen m helfen. Auf „inte^kontesstow ller" Grundlage ist in Berlin die Hilfsaktion für die Opfer der russischen Judenmetzeleien im Gange. Unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters Kirjchner berieten am 23. November im Berliner Rathause eine Anzahl hervorragender Per»onen, darunter Generalsvpenntendent D. Faber, der fürstbischöfliche Delegat Probst Ktemeidam, Superintendent Kröger, Admiral von Holtmann, Prim Heinrich von Schönaich-Carolath, der Rektor dcr Beniner Universirät, die Profefforen von Bergmann, von Leyden, von Renvers u. a., wie den russischen Juden zu helfen fei. In Nürnberg forderte der protestantische Stadtpfarrer Julius Schiller öffentlich zu Sammlungen für die „russischen Unglücklichen" auf: der Erzbischof von Bamberg erklärte sich in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Nürnberger Hilfskomitees, Rechtsanwalt Di*. Ständer, bereit, dem Komitee beizutreten und der Stadtpfarrer Höfner betonte in der Komiteesitzuna, daß die katholische Kirche niemals Rassenhaß gebilligt oder gelehrt habe, und dak beide Pfarrgememden sich bemühen würden, das große Werk der Lrebcstätigkeit zu fördern. In Mannheim Unterzeichneten den Aufruf zugursten der Opfer der russischen Judenmetzeleien u. a. die Herren Reichstags-

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