Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 614 (sequence 5)
- Language
- German
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614 Im deutschen Reich. Leiter eine unermüdliche Werbetätigkeit entfallen, umfaßt schon jetzt so viele Einzelmitglieder, daß man bald die Zahl 2000 zu erreichen hofft, fo daß Berlin in dieser Beziehung prozentual von der zweitgrößten deutschen Stadt bereits weit überflügelt ist.' Das Posen er Lokalkomitee steht im Begriff, auf's neue propagandistisch vorzugehen; hoffentlich mit erfreulichem Erfolg. Die Lage der Juden in den Ostmarken sei aber leider jetzt infolge der Regierungspolitik eine sehr ungünstige; die Polen boykottieren sie wegen ihrer Hingabe an das Deutschtum, für die sie bei den deutschen Beamten das Gegenteil von Anerkennung ernten. Von einem großen Teil der Schuld sei dabei auch der „Ostmarken-Verein" nicht freizusprechen, der zwar nicht selbst die Losung „Kauft nicht bei Juden" ausgegeben habe, auch nicht abgeneigt fei, sich von Juden unterstützen zu lassen, aber durch sein Verhalten, bezw. durch das feiner hervorragenden Vertreter in den Ostmarken, gut deutsch gesinnte Aerzte, Rechtsanwälte, Kaufleute und Handwerker, soweit sie dem jüdischen Glauben angehören, in empfindlicher Weise schädige. Wir haben versucht, dem Vorstand des Ostmarken-Vereins zu Gemüte zu führen, daß er damit seine eigenen Bestrebungen schädigt und behalten uns vor, gelegentlich einmal zu veröffentlichen, was er darauf zu erwidern hatte. Daß christliche Gutsbesitzer in angesehenster Lebensstellung ihre Güter um hohen Preis an die Polen verschachern und dafür eher Lohn als Strafe ernten, sei charakteristisch für die innere deutsche Politik. — Der Minister des Innern habe auf unsere Beschwerde über das Verhalten des Polizei-Präsidenten in der Pückler-Sache, welcher eine Auflösung von Pückler-Versammlungen trotz Pücklers Aufreizungen zu Gewalttätigkeiten für nicht erforderlich erklärt hatte, weil diese Aufforderungen nach den eigenen Erklärungen des Grafen Pückler nur „bildlich" auszusassen seien, erwidert, daß er keinen Grund zum Tadel habe. Dem Vorstände genüge aber die Erfüllung der Zusage, daß Pückler-Versammlungen bei Aufreizungen zu Gewalttätigkeiten künftig sofort ausgelöst werden würden. — Daß auch in andern ministeriellen Refforts den deutschen Juden gegenüber mehr den sogenannten „Imponderabilien" als dem Wortlaut und dem Sinne der Verfassung Rechnung getragen werde, sei eine Folge der v^n dem Minister Schönstedt ausgestellten und verteidigten Grundsätze für Besetzung von Staatsämtern, die auch nach dem angeblich bevorstehenden Rücktritte dieses Justizministers voraussichtlich fühlbar bleiben werde. — Ein Vorkommnis in dem städtischen Steueramt habe gezeigt, daß die höchsten städtischen Behörden ähnlichen Auffaffungen nicht huldigen. Ein Beamter, der eine antisemitische Aeußerung gegenüber einem das