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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 606

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
Berlin
Date
1905-11-01
Page
606 (sequence 5)
Language
German
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606 Im deutschen Reich. und schließlich die Bemerkung fällt: und wissen Sie, dieser arme Mensch hat das nur dem Umstande zu verdanken, daß er vor einem jüdischen Richter stand I" Diese ehrverletzende Aeußerung gab unserem Glaubensgenossen, der bis dahin seine Erregung bemeistert hatte, Veranlassung, dem gesprächigen Herrn entgegenzutreten und um Nennung seines Namens zu ersuchen. Weit davon entfernt, dieser Aufforderung Folge zu leisten, versuchten es die Herren, als sie die Konsequenz ihres Gegners erkannten, durch unauffällige Flucht in benachbarten Lokalen sich allen Weiterungen zu entziehen. Aber der energische Verteidiger der angegriffenen jüdischen Richter ließ den Beleidiger nicht aus den Augen, bis es ihm nach langer Wanderung endlich gelang, seine polizeiliche Sistierung zu erreichen. Nach Feststellung der Personalien konnte die Angelegenheit weiter verfolgt werden. Auf Bitten des Rechtsanwaltes, den sich der preußische Oberlehrer — ein solcher war es — zur Vertretung seiner Interessen angenommen hatte, begnügte sich unser Glaubensgenosse, um den Unbesonnenen nicht in schweres Ungemach, zu bringen, mit einer schriftlichen Entschuldigung und Zurücknahme der gefallenen Aeußerung. „Ich bedauere die in Ihrer Gegenwart geäußerten Worte in jeder Weise, verurteile mein Betragen selbst als ein gänzlich taktloses und bitte Sie deshalb um Entschuldigung", so lautet die wesentliche Stelle der Abbitte. Daß sich ein preußischer Oberlehrer, dessen Aufgabe es ist, die Jugend zu erziehen, zu einem solchen Geständnis bequemen muß! Vielleicht kommt diese Einkehr den ihm unterstellten jüdischen Schülern zugute, vielleicht auch nicht; aus jeden Fall trägt eine solche Lektion dazu bei, den beteiligten Persönlichkeiten das Bewußtsein beizubringen, daß die Zeiten vorüber sind, in denen man der Ehre und Selbstachtung der Juden zu nahe treten durfte, ohne Gegenwehr zu finden. Es dürfte die Achtung vor den Juden nur erhöhen, wenn das gegebene Beispiel vorkommenden Falles Nachahmung fände. Von der „Freien Deutschen Presse" wird berichtet: „Der Abg. Krösell ist so nervös, daß er vor Gericht nicht erscheinen kann. Das hinderte ihn aber nicht, sich in dem Pyritzer Bürgerverein zum Vorsitzenden wählen zu lassen und sich bei der Stadtverordnetenwahl um ein Mandat zu bewerben. Interessant ist, daß Herr Krösell dem „Pyritzer Kreisbl." zufolge nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Bürgervereins erklärte, er bitte für die erste Zeit um Nachsicht in der Leitung des Vereins, da er noch vier Wochen krank sein müsse, dann aber, wenn der Reichstag vom 28. November ab tage, werde er sich mit allen Kräften den Arbeiten des Bürgervereins widmen." — Bei dem Landgercchtc Stargard hat er aber damit kein

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