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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 593

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-11-01
Page
593 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 593 war, als der dem Sieger durch strebsame Schmeichler eingeimpfte Uebermut und Rassen dünkel. Es steht zu hoffen, daß die politischen Machthaber in Deutschland sich weder durch Lockungen noch durch Drohungen antisemitischer machtbedürftiger Agitatoren in falsche Bahnen drängen lassen, vielmehr erkennen werden, daß sie bereits einen schweren Fehler begingen, als sie sich wiederholt durch „künstlich erzeugte" Volksströmungen verleiten ließen, statt die so leicht zu lenkenden Volksmaffen mit fester Hand zielbewußt in eine dem Staate heilsame Bahn zu lenken. Der mehrfach als nahe bevorstehend angekündigte Rücktritt des Justizministers Schönstedt, der den „Imponderabilien" ein Berechtigungszeugnis von einer Seite verschaffte, an der eigentlich nur die unbeugsame Gerechtigkeit, nicht zufällige Volksströmungen Beachtung finden sollten, scheint die Antisemiten mit Besorgnis zu erfüllen. Sie richten deshalb jetzt schon die Warnung an den Reichskanzler, nur ja nicht etwa die Juden in eine vorherrschende Stellung gelangen zu lassen. Sie sagen: „Ein Mann, der dies nicht einsteht, der sich sogar vor den jüdischen Jnteressenkarren spannen läßt, wird niemals den staatsmännischen Aufgaben gewachsen sein, die einem preußischen Minister zufallen. Das hat Graf Bülow seinerzeit nicht erwogen, weil er mit den innerpolitischen Verhältnissen noch nicht genügend vertraut war. Es darf erwartet werden, daß er in den damaligen Fehler nicht zurückfällt." Sie brauchen sich nicht zu ängstigen; ein baldiger Umschwung ist leider nicht zu erwarten; Gras Bülow hat sich noch niemals vor den jüdischen Jnteressenkarren spannen lassen und durch sein Verhalten der Abordnung des Städtetages gegenüber sogar von der „Kreuz-Zeitg." das Zeugnis erworben, daß er nicht „vom Standpunkt des Städters und des jüdischen Händlers" aus zu beurteilen sei. Deutsche Juden kennen keine jüdischen Jnteressenkarren; sie vertreten keine einseitigen Jntereffen, sondern nur solche, die das gesamte deutsche Volk angehen, als dessen Bestandteil sie sich betrachten. Diesen Karren zu ziehen, ist Pflicht aller Staatsbeamten, nicht etwa den der einzelnen Stände und Berufskreise; von antisemitischer Seite wird aber dies den Ministern zugunsten der Großgrundbesitzer zugemutet, um den mächtigen Einfluß des „Bundes der Landwirte" für ihre Partei nutzbar zu machen. Daß dabei das Gewerbe der Fleischermeister im ganzen Reiche zugrunde gehen kann, ist den „machtbedürfiigen antisemitischen Agitatoren" gleichgiltig, die sich trotzdem als „Beschützer des Mittelstandes" aufspielen können, weil noch immer der blödsinnige Judenhaß aus die, die nie alle werden, dieselbe Wirkung ausübt wie das rote Tuch in der

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