Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 592 (sequence 5)
- Language
- German
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502 Im deutschen Reich. im Zugs nimm deinen Lauf!" den „Zusammenbruch des russischen Absolutismus" bejubeln durfte. Schon die Mitarbeiterschaft dieses Verbündeten von Hans von M o s ch, sowie die der bekannten Jud engegner Adolf Bartels,Ottomar Betas und Henricis, auch des raffefanatischen „Causeurs" Houston Stewart Chamberlain beweist, daß in dem Antisemitenblatt nur die äußere Form, nicht die Gesinnung einen Wechsel erfahren hat. Daß sich mit dieser Form eine gute Dosis Gesinnungslosigkeit zu vermischen scheint, macht die Sache nicht bester, sondern läßt es rätlich erscheinen, den „Wölfen im Schafspelz" gegenüber noch größere Wachsamkeit zu bewahren, als vor zähnefletschenden und bellenden Kötern. Offenbar bilden sich die Herausgeber des Antisemitenblattes ein, für alle Spielarten der Judenfeindschaft ein Sammelbecken schaffen zu können. Wenn man heute den russischen Freiheitskämpfern Rassenvorurteile vorwirft, morgen aber Houston Stewart Chamberlain Gelegenheit gibt, seine von allen Fachgelehrten als gänzlich unwiffenschaftiich bezeichnete Lehre von der „Raffenreinheit" und von der „Vorzüglichkeit des arischen Denkens" auszukramen, erklärt sich dies hinreichend aus der angedeuteten Spekulation, vielleicht auch durch die Freude über Chamberlains neuerdachten Satz der Marotte einer unbeschränkten Toleranz. Ihm gegenüber ist eine solche Duldung leider bisher stets geübt worden und ihren übrigen Mitarbeitern gegenüber wird die Antisemitenpresse sie immer üben, vielleicht auch üben müssen. Die Verspottung der nur dem „Britenhaß enisproßten Burenliebe" und der antirusfische Artikel Paul Försters stehen offenbar im schroffsten Widerspruch mit der Art, wie die Antisemiten ihre Unterstützung einer großartigen deutschen Flottenvermehrung, der aus anderen Ursachen auch andere politische Parteien gar nicht abgeneigt sind, begründen zu müssen glauben — durch einen gegen England gerichteten Seekrieg. — Das hat Dr. Otto Schmidt an leitender Stelle mit den Worten getan: „Das beste Mittel zu diesem Zwecke wäre freilich ein frischer, fröhlicher Krieg. So frevelhaft es ist, einen solchen leichtsinnig herauszubeschwören: so freudig wollen wir ihn, wenn er mit Ehren nicht mehr zu vermeiden ist, als den Heilsweg zur körperlichen und geistigsittlichen Wiedergeburt begrüßen." Nicht nur die Erfahrungen des russisch-japanischen Feldzuges haben aber gezeigt, daß selbst für den Sieger ein Krieg kaum als Heilsweg zu einer solchen Wiedergeburt zu betrachten ist. Aus zahlreichen geschichtlichen Erinnerungen aus früherer Zeit ist es vielmehr bekannt, daß viele Völker nach schweren kriegerischen Niederlagen zu einer Einkehr gelangten, die ihnen heilsamer