Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Der Kartelltag eines wissenschaftlichen Verbandes
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 583 (sequence 5)
- Language
- German
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Der Kartelltag eines wissenschaftlichen Eerbandes. 583 Zu Wünschen, daß auch er sich den Bestrebungen zum Ausgleich der Gegensätze anschließt, und daß er sich von anderen Korporationen den Wind nicht aus den Segeln nehmen läßt. Ueber die Diskussion, die sich an diese Begründung des Königsberger Antrages anschloß, berichtet das „Monatsblait": Hoerner-Jena: Es sei gerade der Zweck des Kartells, gemeinsam Zu politischen und konfessionellen Fragen Stellung zu nehmen. Mit der Wissenschaft werde jeder Verein allein fertig. Bei der Judenfrage handelt es sich nicht um die Konfession, sondern man wende sich gegen antinationale Tendenzen. A. H. Dr. Bauch: Zur Judenfrage habe bei der Gründung des Kartells Stellung genommen werden müssen; jetzt sei es zu spät. Die Grundlagen des Kartells dürften nicht plötzlich geändert werden. Eine Nenderung würde nur viele A. H.-Verbände vom Kartell abwenden. Befferer-Jena: Das Kartell müsse sich mit den vorliegenden Fragen beschäftigen wegen der Erziehung der Mitglieder zu späterer politischer Tätigkeit. Kracke-Marburg: Auf jeden Fall sei die Aufnahme der Juden zu verweigern, da der jüdische Charakter dem deutschen vollständig entgegen sei. Plötzlich komme ein fremdes Volk und verlange, daß wir ihm die gleichen Rechte geben wie allen Anderen. Gaudin-Jena: Auch er fei gegen die Aufnahme der Juden. Es handele sich dabei nicht um politische und konfessionelle Fragen, sondern um Rafsefragen. A. H. Briecke-Göttingcn: Der G. C. V. sei nicht gegründet, Politik zu treiben, sondern auf wissenschaftlicher Grundlage entstanden. Unsere Schuld ist es, wenn die Juden sich noch nicht assimiliert haben, denn Jahrhunderte hindurch hat man sie unterdrückt und nur auf den Handel hingewiesen. Eine Gleichstellung der Juden in jeder Beziehung ist der beste Weg, um sie mit dem deutschen Volke zu verschmelzen. Ein Vertreter erklärt, daß fein Verein bei den anderen Korporationen in Marburg unmöglich würde, falls man auch nur einen Juden aufnähme. Er selbst hätte kürzlich einen Kommilitonen kennen gelernt, der ihm sehr gefallen habe, und auch schließlich nicht abgeneigt gewesen sei, in den Verein einzutreten. Dann aber habe er noch gesagt, er möchte den Herrn nicht darüber im Unklaren lassen, daß er Jude fei, worauf er ihm erwidert habe: „Dann bedauere ich." A. H. Dr. Hesse-Leipzig hält es für nötig, den Antrag Königsberg abzulehnen. Derselbe könne sich aus die Juden garnicht beziehen, da das Judentum keine Konfession, sondern eine Religion sei. Außer-