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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 582

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
Der Kartelltag eines wissenschaftlichen Verbandes
Date
1905-11-01
Page
582 (sequence 4)
Language
German
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582 Iw deutschen Reich. die die Grundbedingung für jeden Erfolg ist, von dem starken Bewußtsein, daß wir mit unserer ganzen Persönlichkeit eintreten müssen für das, was wir als wahr, groß und frei erkannt haben." In diesem Sinne ist auch in der angenommenen Resolution erklärt worden: „Der Verband erklärt, daß die Konfession nicht Grund für die Absonderung auf studentischer Grundlage sein darf." Damit ist aber das Urteil gesprochen über die studentischen Korporationen, die Kommilitonen ausschließen, weil sie sich zum Judentum bekennen, nicht über die jüdischen Verbindungen, die ihre Entstehung einer ungewollten, durch die Konfessionalität notwendig herbeigeführten Ausschließung verdanken. Das hat Prof. Osthoff in Heidelberg in der Zeitschrift „Die Freistatt" unverblümt in nachstehenden Sätzen ausgcdrückt: „Dieselben Kreise der Studentenschaft, die jetzt dem Unkraut der konfessionellen Zerklüftung des akademischen Lebens so entschieden zu Leibe gehen, trifft bis zu einem gewissen Grade eine Mitschuld an dem Emporwuchern eben dieses Unkrauts. Die gegenwärtig glücklicherweise in unserer Studentenwelt wieder etwas eingedämmte Hochflut der antisemitischen Bestrebungen hatte die Unduldsamkeit gegen die Kommilitonen jüdischen Glaubens gezeitigt, die Ausschließung der Israeliten aus vielen der tonangebenden Korporationen mit sich gebracht, und die Folge war das Auskommen der exklusiv jüdischen Studentenverbindungen." Auf das Huldigungs- Lelegramm des „Ersten deutschen Studententages" erfolgte nachstehende kaiserliche Antwort: „Ich habe den Huldigungsgruß aus Eisenach gern entgegengenommen, und ich hoffe, daß die Studenten stets bestrebt sein mögen, die deutsche Geistessreiheit auch durch die Achtung vor der Ueberzeugung Andersdenkender hochzuhalten. Wilhelm I. Wenn die deutsche akademische Jugend, der hochsinnigen Mahnung des Kaisers folgend, die deutsche Geistesfreiheit durch Achtung vor der Ueberzeugung Andersdenkender betätigen lernt, dann kann und wird sie auch künftig dem Antisemitismus keine Heeressolge mehr leisten. Schließlich möchte ich noch daran erinnern, daß auf dem Hochschultage in Weimar kürzlich folgende Bestimmungen geschaffen wurden: § I. „Der Verband bezweckt, dieEimgung der deutschenSludentenschaft. Aus dem Bewußtsein heraus, ein Lernender zu sein, und aus dem Prinzip der Selbsterziehung folgt für den Studenten die Pflicht, jede Absonderung nach parteipolitischen und konfessionellen Gesichtspunkten selbst zu vermeiden, und ihr gegebenenfalls bei seinen Kommilitonen entgegen zu treten." Auch hier also, meine Herren, ist bereits beschlossen worden, was unser Antrag erstrebt. Die Zustimmung zu demselben wird Ihnen umso leichter werden, je mehr sie dm angedeuteten Symptomen die gebührende Beachtung schenken. Im Interesse des Gedeihens des Verbandes wäre

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