Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Der Kartelltag eines wissenschaftlichen Verbandes
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 581 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316738-2335782--14394-2335849- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der KartellLag eines wissenschaftlichen Verbandes. 581 A. M. V. zu Königsberg in Widerspruch steht, kann ich Ihnen bestimmt versichern. Das würde aber genügen, selbst wenn dieser Verein der einzige wäre, was ich nicht glaube. Meine Herren, aus diesen beiden Gründen wird der KartellLag nicht umhin können, die damals gefaßte Resolution für ungültig zu erklären, und sie zu annullieren. Auf Liesen Standpunkt hat sich augenscheinlich bereits die Kommission zur Vorberatung der neuen Statuten gestellt, denn sie hat in dem Statutenentwurf von der Resolution keine Notiz genommen, wohl aber von unserem Anträge. Aber, meine Herren, mit der Annullierung der Resolution ist die Angelegenheit nicht erledigt; die Resolution wäre damit übertüncht, aber nicht aus der Welt geschafft. Nachdem der Stein einmal ins Rollen gekommen ist, muffen wir wissen, wohin er fällt. Die Frage ist einmal aufgerollt, und der Verband wird feinen Standpunkt präzisieren müffrn; er wird klipp und klar erklären müssen, ob er durch einseitige PnLeinahme die politische Zerklüftung und die Korsessionalisierung im Smdentenleben vermehren, oder ob er sich als solcher von politischen und konfessionellen Fragen fern halten will. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, welche Wandlung der Anschauungen in diesen Dingen in jüngster Zeit in die Erscheinung getreten ist, aber bereits vor einem Jahre, als die Reso'ution gefaßt war, war im A. M. V. zu Königsberg das Befremden und die Abneigung gegenüber solchen Zerfetzenden Tendenzen so groß, daß mehr als 24 aller Alten Herren sich für den sofortigen Austritt aus dem Verbände aussprachen. Die klebrigen verurteilten gleichfalls die Resolution auf das Schärfste, sprachen sich aber dahin aus, noch die Entscheidung dieses Kartelltages darüber abzuwarten, welchen Weg der Verband fortan beschreiten wolle. Der A. M. V. zu Königsberg teilt den Standpunkt des A. H.-D., wie ich betonen darf, vollkommen. Meine Herren, wer die mannigfachen Stimmen im Goslarer Monatsdlatt beachtet hat, wird sich sagen müssen, daß unser Verein mit sünen Anschauungen nicht vereinzelt im Verbände dasteht. Auf welchem Boden in dieser Beziehung die einz ll'nen Vereine st hm, werden wir ja alsbald durch den Mund ihrer Herren Vertreter erfahren. Jedenfalls betrachtet es unser Verein als eine conditio sine qua non, daß der Verband in den Statuten zu klarem Ausdruck bringt, ob er durch prinzipielle Ausschließung jüdischer Kommilitonen die Parteipolitik derAntisemiten und denKonsesfionalismus begünstigen will oder nicht. Auf dem ersten deutschen Studententage in Eisenach sagte Herr Zimmermann-Hannover in seiner Festrede: „Trotz aller trennenden Gegensätze ist das deutsche Studeutentum durchdrungen von dem Geist Ser Zusammengehörigkeit in großen Fragen, von dem Geist der Einheit,