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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 565

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
Die 1. Hauptversammlung des "Verbandes der deutschen Juden"
Date
1905-11-01
Page
565 (sequence 6)
Language
German
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Die 1. tzauptversammlung oes „Beroanoes oer Leuiicyen ^uv«-n". umr Judentum minderwertig sei, anderseits betrachten sie die Heilswahrheiten desselben auch als das Höchste, an das sie selbst glauben. Aus diesem Zwiespalt retten sie sich durch eine zweifache Methode: die eine soll beweisen, daß das Judentum seine Wahrheiten von anderen entlehnt hat und nicht der Lehrer der Menschheit gewesen ist; die andere, daß das Judentum die Wahrheiten nur in getrübter Weise besessen habe; die Emen sagen, das Judentum sei nicht die Mutter der Kuuurreligionen gewesen, die Anderen, die Mutter sei nicht mehr lebensfähig, nachdem ste eine Tochter geboren. So werden die beiden Perlen, das ehrwürdige Alter und die ewige Jugend, aus unserer Krone herausgebrochen. Hiergegen uns aufzulehnen, gebiete unsere religiöse Ehre, die uns das Höchste bedeute. Die eins Zeirlang geglaubte Hypothese, daß der ideale Gehalt des Judentums dem Aegyptertum entlehnt sei, daß Moses die biblischen Wahrheiten bei den ägyptischen Priestern gelernt habe, sei heute überwunden und als unmöglich erkannt. Eine andere, nicht minder laut verkündete ist an ihre Stelle getreten: es hieß, ein großer Teil des Ruhmes der Bibel müsse auf Babel übertragen werden. Natürlich könne auf die Einzelheiten des Bibel-Babel-Streites nicht eingegangen werden. Die berufensten Assynologen haben das, was im Sturm der Begeisterung als Wahrheit gefeiert wurde, auf das richtige Maß zurückgesührt; die „babylonische Gefangenschaft" der Bibel sei als beendet erwiesen, denn es stehe jetzt fest, daß die biblischen Lehren über Gott und Mensch von babylonischer Anschauung durch eine unüberbrückbare Kluft getrennt sind. Delitzsch gestehe zu, daß in dem Gottesglauben Babel und Bibel Gegensätze sind; aber aus Liebe zu Babe! entwerte er den Gottesbegriff der Bibel. Seine These, daß der Gott der Bibel in menschlichen Unvollkommenheiten und in der Nationalität seine Schranken finde, sei nicht wahr; wahr sei vielmehr, daß der biblische Gottesbegriff sich zur Universalität und Heiligkeit erhebt, den Realgrund alles Seins und den Jdealgrund alles Sollens in sich schließt. Entweder der Gort des Jesaja, der Bibel oder gar kein Gott! Die auf alle Menschen ohne Unterschied sich erstreckende Nächstenliebe, die in dem heiligen Gottesglauben ihre Quelle hat, wurde zuerst durch die götüiche Bibel offenbart. Delitzsch, der behauptet, daß die biblische Nächstenliebe aus die Nation beschränkt sei, müßte wissen, daß das Gegenteil der Fall ist, daß wir auch den Fremdling lieben sollen, so wie uns selbst. Bedauerlicherweise lege Delitzsch einen zweifachen Maßstab an: wo es Babel gilt, werde jeder krasse Kult symbolisch erklärt, wo es die Bibel gilt, jedes dichterische Bild zur gewöhnlichen

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