Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Die 1. Hauptversammlung des "Verbandes der deutschen Juden"
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 564 (sequence 5)
- Language
- German
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veüi-jujtH vmuj, läge für die Abwehr eine große Enquete über die Zurücksetzung in Heer und Verwaltung in die Wege geleitet, die ein ausgiebiges Material verspricht; eine Denkschrift ist ausgearbeitet über die Sck ächtfrage und über das Volkvschulgesetz und^ den Zuständigen Stellen unterbreitet. Die Hauptsache ist, Latz der Verband da ist, daß er. wie ein Parlament, der Anwalt der Rechte und der Wächter über die Erfüllung staatlicher Pflichten sei. Wenn wir Juden uns weder unser Deutschtum noch unser Judentum verkümmern lassen, so wird dies dem Judentum und dem Vaterlande zum Segen gereichen. Zeigen wir darum, daß wir gute Deutsche sind und dabei gute Juden bleiben können!" Stürmischer, sich oft wiederholender Beifall folgte den begeisterten und begeisternden Ausführungen, an die sich das Referat des Herrn Rabbiners Dr. Werner-München über „Das Judentum im Lichte moderner Kritik" anschloß. Zu einem heiligen Kampfe, so führte der Redner etwa aus, haben wir uns vereint, denn heilig ist der Kampf, der dem Recht zu seinem Rechte verhelfen will. Eine tiefe Begründung hat die alte talmudische Vorschrift, daß wir Gort nicht nur für das Eure, sondern auch für Heimsuchungen danken sollen, denn jedes Verhängnis hat seine Gnade. Der Geist, der das Böse will, schasst oft wider Willen das Gute. Unsere Feinde haben es bewirkt, daß viele in unserer Mitte sich wieder aus ihr Judentum besonnen haben. Aber das Gefühl der Entrüstung dürfe nicht stärker werden, als die ruhige Ueberlegung. Wir wollen nicht klagen und anklagen, sondern alsbald in der ersten Versammlung unseres Verbandes mit ruhiger Besonnenheit an eine der wichtigsten Aufgaben herantreten, die uns obliegt, gerechte Kritik an unseren ungerechten Kritikern zu üben. Bei der knapp bemessenen Zeit können aber nur die wesentlichsten Gesichtspunkte beleuchtet werden, von denen aus ein Teil der modernen Kritik über düs Judentum geleitet wild; indessen solle das unerwähnt bll-hen, was unter aller Kritik ist: es widerspreche unserer Selbstachtung, erst beweisen Zu wollen, daß wir, die Verkünder des Dekalogs, nicht von Religionswegen Kannibalen find. In dem Kampfe, der jetzt gegen uns geführt wird, seien es nicht die strenggläubigen Christen, die gegen uns auftreten, sondern jene christlichen Theologen und Gelehrten, welche die spezstsch christlichen Dogmen nicht mehr anerkennen, im reinen Monotheismus und in der allgemeinen Menschenliebe, den Grundlehren des Judentums, auch das Wesen ihrer eigenen religiösen Weltanschauung erblicken. Diese geraten in einen inneren Zwuspalt: einerseits find sie in der Anschauung groß geworden, daß das