Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 11 (November 1905)
- Article
- Die 1. Hauptversammlung des "Verbandes der deutschen Juden"
- Date
- 1905-11-01
- Page
- 561 (sequence 3)
- Language
- German
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Die 1. Hauptversammlung des „Verbandes der Deutschen Juden". 5dl Gemeindebund verfolgte im wesentlichen nur Erziehungs- und Wohlfahrts-Bestrebungen. Im Dezember 1880 wurde das Lazarussche Komitee gegründet, das jüdische Notabeln zu gemeinsamer Abwehr- Tätigkeit verband, 10 Jahre später der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus", der Juden und Christen umfaßt, unter dem Vorsitz von Gneist und Rickert eine verdienstvolle Wirksamkeit entwickelte und der noch heute unter dem Vorsitze Theodor Barth's Segensreiches leistet. Eineinhalb Jahr später tritt das „Komitee zur Abwehr antisemitischer Angüsse" in Tätigkeit, zuerst unter Führung von Dr. Edm. Friedemann, später unter der Leitung von Du. Paul Nathan und James Simon. Auch hier ist die Abwehr noch in oligarchischer Weise organisiert, die breiten Massen werden noch nicht zur Mitarbeit heraugezogen. Im Jahre 1893 wird dann der „Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" geschaffen und damit die Abwehr demokratisiert. Unter der Devise „Selbsthilfe im Lichte der Oeffentlichkeit" wurden die deutschen Juden in ihrer Gesamtheit zum Verteidigungskampf herangezogen. Der „Central-Verein" habe sich ein unverbringbares Verdienst damit erworben, daß er die Juden zu Stolz und Selbstbewußtsein wieder zusammengeführt hat; die Gemeinsamkeit der Abwehr hat nicht nur die bangen Gemüter erhoben, sondern zugleich die Charaktere gestählt. Auch die zionistische Bewegung habe das Ihrige dazu beigetragen, die Judenheit wieder Zu beleben und den Jndifferentismus zu bannen. Wenn auch Zwischen den Grundsätzen der Zionisten und des Central-Vereins eine weite Kluft bestände, so wetteiferte doch der Zionismus mit dem „Central-. Verein", Stolz, Selbstbewußtsein und Treue unter den Juden zu verbreiten und den Geist zu bannen, der im Asftmilantentum so gefährlich geworden war. Doch dem „Central-Verein", einem Verein von Einzelpersonen, fehlte die Legitimation, die Gesamtheit der Juden zu vertreten. Er war mehr anti-antisemitisch als positiv jüdisch, er steht und fällt mit der Antisemiten-Bewegung. Eine Reihe von Aufgaben war der Kompetenz des Vereins entzogen, so die Fragen der Einwanderung, der Naturalisation. Statestik nnd Apologetik mußten unbeachtet bleiben; die Abwehrder Angriffe auf das Schächten konnten nicht von ihm allein abgewehrt werden. Kurz, es fehlte die Zusammenfassung der geistigen Kräfte, die in Hunderten von Organisationen zersplittertwaren, es fehlte das einheitliche Band, das sich um die jüdischen Organisationen schloß und dadurch das Judentum yositiv kräftigen konnte. Auf Anregung des Redners wurde i. I. 1900 in einer Audienz beim Kultusminister der Mangel einer Gesamtorganisation als das Grundübel vorgetragen. Das Ergebnis