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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 560

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
Die 1. Hauptversammlung des "Verbandes der deutschen Juden"
Date
1905-11-01
Page
560 (sequence 2)
Language
German
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Kind der Laune, nicht ein überflüssiges Produkt einer vielgeschäftigen Vereinsmeierei, die für große Miseren und kleine Freuden Vereine schaffe und durch Satzungen und Sitzungen große und dringende Zeitaufgaben meistern zu können glaube; er sei eipe geschichtliche Notwendigkeit, berufen, eine Lücke auszusüllen, die sich in der Geschichte der der Emanzipation nachfolgenden jüdischen Kämpfe und Bestrebungen überaus fühlbar gemacht und als dringend ausfüllungsbedürftig erwiesen habe. Er sage, der der Emanzipation nachfolgenden Kämpfe und Bestrebungen, denn der Juden - Emanzipation seien Abwehrkämpfe der deutschen Judenheit in nennenswertem Umfange kaum vorhergegangen. Deutschland fei zur Juden-Emanzipation durch die geistigen Strömungen und durch die Auffassung von den Menschenrechten gedrängt worden, welche die große französische Revolution ausgelöst habe. Den Verdiensten der jüdischen Emzelkämpfer, jüdischen Gemeinden und Verbände, die für die Gleichberechtigung der Juden emgetreten seien und gerungen haben, solle nicht zu nahe getreten werden; aber man dürfe wohl sagen, daß unseren Vätern die Emanzipation mehr als eine Frucht Liberaler Weltauffafsuug in den Schoß gefallen sei, als daß sie dieselbe erkämpft und errungen hätten. Unsere Emanzipation sei nicht durch jüdisches Blut und jüdischen Schweiß gekittet, und das habe sich bitter gerächt. Ein mühelos gewonnenes Recht steht nach Jherwgs Wort auf einer Linie mit den „Kindern, die der Storch bringt und der Geier holt." Die Emanzipation zeitigte das Assiwilautentum im bösesten Sinne des Wortes. Die Juden, die, wie jeder Einsichtige nur billigen könne, ihr äußeres Sein anpaßten an die Umgebung und sich bestrebten, getreue Söhne des Vaterlandes zu werden, beachteten nicht, daß sie Deutsche sein und Juden bleiben, daß sie das Neue aufnehmen konnten und das Alte nicht preiszugebeu brauchten, daß sie die Erben einer großen Vergangenheit waren, die es ihnen verbot, die Väter zu verleugnen und restlos unter Preisgabe ihrer Traditionen in der Mitwelt unterzutauchen. Hunderte und Tausende assimilierten sich restlos und wurden Renegaten, als der Judenheit ein neuer Feind erstand, der die Emanzipation bedrohte. Die Menschenrechte waren den Juden zu mühelos in den Schooß gefallen, als daß man sie ihnen unangefochten gelaffm hätte. Die mit elementarer Heftigkeit eiusetzende antisemitische Bewegung fand die Juden zum großen Teil indifferent und durchweg unorganisiert. Gleichwie keine jüdische Phalanx emgetreten war, die Emanzipation zu erkämpfen, so war auch keine da, sie zu verteidigen; es fehlte ein Organ, die bedrohten Rechte zu schützen. Der Deutsch - Israelische

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