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Im deutschen Reich · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. 543

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
Berlin
Date
1905-10-01
Page
543 (sequence 5)
Language
German
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Korrespondenzen. 543 Jerusalem schon ihre Mitwirkung zugesagt haben. Für jeden, der jüdisches Interesse mit sozialem Verständnis verbindet, ist hier eine schöne Gelegenheit nutzbringender Arbeit gegeben. Es soll nicht ein Almosen sein, das man mit abgewendetem Bllcke hingibt, um einer augenblicklichen Not zu steuern, sondern es soll eine lebenskräftige Organisation entstehen, die aus sich selbst heraus die Kräfte des gesunden Wachstums entfalte, eine Organisation, in deren Schutze binnen kurzer Zeit Tausende, hoffentlich Zehntausende, aus nutzlosen Bettlern zu freien, in Arbeit versittlichten Bürgern emporsteigen können." Herr Dr. I. L. schreibt uns: In einem „Die Feinde des Judentums und des Kulturfortschrittes" betitelten Aufsatz dieser Zeitschriit (Nr. 12, 1903) habe ich aus Anlaß einer gegen die Aerzte und die medizinische Wissenschaft geführten Fehde auf das geistige Milieu der unter der Leitung des Antisemitenführers Lueger stehenden Kaiserstadt Wien hingewiesen und gesagt: „Wer will sich bei solchen Zuständen darüber wundern, daß die Regierung bei der Besetzung der Lehrstühle an der Wiener Hochschule, die ehedem glänzende Zierden der Wissenschaft zu ihren Mitgliedern zählte, auf immer größere Schwierigkeiten stößt, so daß sich selbst für die einstige Lehrkanzel Theodor Brüroths kein Nachfolger finden wollte!" Seitdem hat die schöne blaue Donau manche Wogen meerwärts getragen, aber geändert hat sich in den geschilderten Verhältnissen nichts. Seit 2 Jahren steht die für die Zukunft der Medizin so überaus wichtige hygienische Lehrkanzel verwaist da, und keiner der für dieses Fach maßgebenden deutschen Forscher findet sich zur Uebernahme eines Lehramtes bereit. „Schuld daran tragen", so führt der Wiener Korrespondent der „Deutschen mediz. Wochenschrift" in der am 7. Septbr. d. I. erschienenen Nummer aus, „nicht zuletzt die Wiener politischen Verhältnisse. Das gemütliche Wien kann manchmal auch recht ungemütlich sein. Das hat wieder der Tod Nothnagels gezeigt. Nothnagel war politisch nicht neutral, er war kein Antisemit. Das ist in Wien für einen Nichtjuden ein Verbrechen. Ja, Nothnagel bekannte sich sogar als Feind des Antisemitismus, und er war eine der leitenden Persönlichkeiten des — vielleicht in der Tat höchst überflüffigen — „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus". Nun ist das ja Geschmacksache. Nothnagel war ein dankbarer Schüler des „Juden" Traube und auch sonst vielfach mit Juden persönlich befreundet. Als nun Nothnagel starb, widmeten ihm die freisinnigen Tagesblätter Leitartikel und Feuilletons k., sie sckwelgten förmlich in Nekrologen. Aber schließlich, gar so viele Nothnagels gibt es nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben, und wenn auch bei

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