Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 544 (sequence 6)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 544 der Presse der liberale Zug des großen Gelehrten, Klinikers und Lehrers mit eine Rolle spielte, Nothnagel hat das Lob redlich verdient. Um so mehr mußte es ausfallen, daß die klerikalen Zeitungen in Nothnagel nur den Politiker erblickten — der er ja eigentlich garnicht war — und ibn als Kliniker garnicht würdigten. Das Skandalöseste in dieser Beziehung leistete wohl das Organ der österreichischen Kapläne, die christlich-soziale ,,Reichspost". Und auch das Hauptorgan der herrschenden antisemitischen Partei in Wien konnte es sich nicht entgehen Lassen, dem toten Löwen einen kleinen Fußtritt zu versetzen, indem es in den Nekrolog — das Blatt widmete Nothnagel wenigstens einen eigenen Artikel — folgenden Passus einflocht: ,,1882 erfolgte seine Berufung von Jena nach Wien. Der Vorschlag hierzu ging von Professor Bamberger aus. Seither wirkte er als Professor und Vorstand der ersten medizinischen Klinik an unserer Universität. In allen seinen Lebensstellungen, selbst während der Ausübung seines militärischen Berufes im Kriege, widmete er sich angeblich (!) mit Eifer der wissenschaftlichen Forschung." — Wenn man in Wien tote Männer derartig behandelt, so mag man ja auch begreifen, weshalb die lebenden Wien lieber meiden." Fast seit der Begründung des Central - Vereins gehörte Herr Fabrikbesitzer Karl Arnheim, der am 30. September in Meran im Alter von 54Jahren nach schweremLeiden verschieden ist, unterm Vereine als Mitglied an. Diesem Leiter einer der größten Geldschrankfabriken Berlins rühmtselbftdieantisemitische „Staatsbürger-Ztg." nach, daß er auch stets die künstlerische Seite seines Handwerks gepflegt habe — ein Zugeständnis von der Seite, die den Juden stets die Befähigung zum Handwerk abzusprechen Pflegt! < Posen, 2. Oktober. Am 24. v. Mts. beging der Gemeinde- Rabbiner, HerrDr.W.Feilchenseld, hier,sein50jährigesAmtsjubiläum und gleichzeitig feierte seine Gattin ihren 70. Geburtstag. Seitens der Synagogen - Gemeinde wurde dem Jubilar eine reich ausgestattete Adresse gewidmet und eine „Di*. Wolfs Feilchenfeld-Jubiläum-Stiftung" begründet, deren Zweckbestimmung dem Jubilar zusteht. Die Adresse, sowie die Urkunde der gedachten Stiftung wurden dem Jubilar durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes Herrn Justizrat Salz und den Vorsitzenden der Repräsentanten - Versammlung Herrn Geh. Kommerzienrat Herz überbracht. - Herr Bankier Jgn. Goldfchmidt überreichte eine Adresfe des Verbandes der Synagogen-Gemeinden des Regierungsbezirks Posen. Vom Herrn Regierungs-Präsidenten sowie vom Herrn Polizei - Präsidenten waren dem Jubelpaare herzliche Glückwunsch-Schreiben zugegangen. Der Magistrat