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Im deutschen Reich · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. 538

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-10-01
Page
538 (sequence 15)
Language
German
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588 Im deutschen Reich. Gemeinderat Leopold Kunfchak, Obmann." Das sind nun Leute, die in Wien wie anderwärts gegen die Regierung wählen, aber stets beanspruchen, als „staatserhaltende Elementes zu gelten! Mit der „Mittelstandsretterei" der Antisemiten ist es aber genau so bestellt wie mir ihrem Pseudo Konservatismus. Zn Frankreich, wo es viel früher als in Deurschland Warenhäuser gab, von denen kein einziges durch Juden begründet wurde, auch heute kaum ein größeres Warenhaus in jüdischem Besitze ist, sind es gerade Antisemiten, die das treiben, was sie anderwärts als Warenhausfchwindel und Lebensnmtelwuchcr zu bezeichnen pflegen. Jules Jaluzot, der durch seine Zuckerfpekulationen und ähnliche Geschäfte mit etwa 30 Millionen Franks passiv geworden ist, war als Abgeordneter in nationalistisch - antisemitischer Richtung hervorragend tätig, auch der Hauptaküonär und Geldgeber der beiden nationalistischen Abendblätter La Presse und La Patrie. Er hatte als Begründer und langjähriger Besitzer eines großen Warenhauses der Magasins du Printemps, die dann in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurden, sich ein nach vielen Millionen zählendes Vermögen geschaffen. Dies hat er jetzt verloren, indem er, in Erwartung einer schlichten Zucker ernte, alle sichtbaren Vorräte an Zucker amkamte, deffen Preis er zeitweilig nahezu auf die doppelte Höhe des üblichen Preises trieb. Uebrigens war auch der Direktor Cronier, der unter Hinterlaffung von etwa 50 Millionen Passiven seinem Leben durch Selbstmord ein Ende gemacht hat, zwar kein hervorragender Politiker wie Jaluzot, aber auch ein Vertrauensmann der pol tuchen Kreise, denen jener angehiüte, die nun Wohl auch durch die Ausschaltung beider Männer schwere Vermögensverluste erleiden. Der Antisemitsmus widerlegt in F ankwie in Rußland das Sprichwort: „Durch Schaden wrrd man klug." Mit Spannung erwartet man allgemein die Entscheidung der russischen Regierung, die sie jetzt angesichts der Eröffnung der Duma über die innere Politik des Zarenreiches fällen muß, das nicht nur durch die Niederlagen in der Mandschurei, sondern auch dadurch unendlich schwere Nachteile erlitten hat, daß die Regierung bisher die ungemein zahlreiche gewerbefleißige jüdische Bevölkerung, und auch andere größere B^völkerungsrchichten allen möglichen Bedruckungen schutzlos p eisgab. Die Mitteilung der Z ischrift „Oswosbolchdenije", der Zar selbst habe gesagt: „Ich werde den Juden und Advokaten zeigen, was es heißt, Verrat in Kriegsz'itm und während innerer Unruhen zu begehen", spiegelt wohl nur die Gesinnung jener Kreise wieder, die bisher zum größten Unglück Rußlands am Hofe des Zaren dre Ober-

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