Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 539 (sequence 16)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 539 Hand hatten, die seitdem nichts gelernt und nichts vergessen haben» Die Auszeichnungen aber, die dem russischen Friedensstifter, dem jetzigen Graf Witte durch den deutschen Kaiser in Rominten und-bei seiner Rückkehr nach Rußland am Zarenhofe zuteil wurden, berechtigen trotzdem zu der Hoffnung, daß man sich in Petersburg doch unter dem Drucke einer eisernen Notwendigkeit endlich zu den Reformen entschließen wird, welche Witte in letzter Zeit wiederbolt für eine Gesundung der Derhältnisse in Rußland als unerläßlich bezeichnet hat. Schon in den Jahren 1893 bis 1903 hat sich Witte als Finanzminister in dieser Richtung bemüht und seinem Monarchen und seinem Lande dadurch nützlich erwiesen, bis es den rückschrittlich Gesinnten am Zarenhose gelang, ihn auf einen einflußlosen Posten zurückzudrängen. In der größten Not erinnerte man sich seiner wieder und verdankt nun seinem Talent einen ehrenvollen Frieden mit Japan, einen Erfolg, der vielleicht mit der Verleihung des Kanzleramts nicht zu hoch belohnt würde. Dann aber würde Witte, wenn auch nicht aus Menschlichkeit, so doch aus Gründen der ihm nicht abzustreitenden Staatsweisheit, sicher nicht nur bei dem Zaren, sondern auch bei den übrigen Ministern und auch bei der Duma, der neuen russischen Volksvertretung, dieGlnchberechUgung derJuden durchsetzen, diese wird wenigstens von der russischen „Intelligenz" schon längst nicht nur als ein Glück für die schmählich Unterdrückten, sondern für ganz Rußland betrachtet, weil immer das Ganze krank, wenn ein Glied des Staatskörpers schwere Schmerzen erleidet. Diese Wahrheit zu erkennen, wäre freilich nicht nur für die Russen, sondern auch für die Bewohner anderer Länder recht heilsam! A. L. Korrespsttdeuze«. + Berlin, 15. Oktober. Der im Frühjahr 1904 gegründete „Verband der Deutschen Juden" veranstaltet am Montag, den 30. Oktober 1905 in B-nlin im großen Saale des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde" seine erste öffentliche Hauptversammlung. Die Bedeutung des Verbandes haben wir wiederholt gewürdigt. Wir begrüßen die Veranstaltung mit den besten Wünschen und weisen auf die im Anzeigenteile der vorliegenden