Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 537 (sequence 14)
- Language
- German
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Umschau. 537 zu dem Eingeständnis „es halte die Latiiundienbildung im Interesse der Erhaltung eines gesunden, ländlichen Mittelstandes für viel schädlicher als die jüdische Güterzertrümmerung, weil durch die letztere wenigstens der Grundbesitz in den meisten Fällen wüder in den Besitz von Landwirten kommt, während der Lanfuntienbesitz dem ländlichen Mittelstand fortwährend Land entzieht und den Bauernstand dezimiert und höchstens an Stelle des enteigneten Bauernlandes das in seiner Weise auch hörige System des Pachtlandessetzt." Wenn trotz dieser Erkenntnis das „Bayerische Vaterland" und ein Teil der klerikalen Presie in Bayern feinen gehässigen Ton gegen die Juden nicht ändert, ist dies wesentlich auf die trüben antisemitischen Wellen zurückzuführen, die fortwährend von der nahen österreichischen Grenze herüberspülen. Wo dies nicht der Fall ist, macht sich selten die Intoleranz, öfter vielmehr eine entschiedene Mißbilligung der Unfrieden stiftenden ultramontanen Presse geltend. Als der „Bayer. Kurier" kürzlich in einem Glückwunschschreiben des Bischofs Busch an den Beznksrabbmer Dr. Landsberg in Kaiserslautern den Beweis für die Toleranz aller katholischen Geistlichen erblicken wollte, schrieb der Nürnberger „Fränkische Kurier": „Der Bayerische Kurier" hätte das alle Anerkennung verdienende Verhalten des Speyerer Bischofs lieber gewissen Geistlichen als Beispiel zur Nachahmung empfehlen sollen, die die ultramontane Presse täglich mit Schimpsartikeln über die Juden versorgen." Was dieser Teil der antisemi ischen Presse in Oesterreich leistet, genügt der in Wien das Ruder führenden christlich-sozialen Partei noch keineswegs. In einer am 21. September d. I. in Wien stattgehabten Versammlung des katholisch-politischen Vereins „Leopoldstadt" regte der Stadtrat Oppenberger in erfolgreicher Weise die Begründung eines antisemitischen Zweikreuzerblattes an und wurde dabei von dem Bürgermeister Lueger kräftig unterstützt. Dieser ging dann auch noch aus die ungarische Krise ein, die er in der ihm eigenen einseitigen, aber temperamentvoller Weise derart beleuchtete, daß er des stürmischen Beifalls einer durchaus südenfeindlichen Hörerschaft sicher sein konnte. Wie auch die Wiener Antisemiten die für die österreichische Regierung so mißlichen ungarischen Verhältnisse für ihre Parteizwecke auszunutzen suchen, b-'wies nachstehende Ankündigung einer am 25. September in Wien abgehaltenen Protest. Versammlung: „Nieder mit dem judäomagyarischen Größenwahn! Hoch das allgemeine Wahlrecht! Für die Wiener Stadto ganisation: Karl Görner, Vorsitzender. Für den christlich-sozialen Arbeiterverein: