Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 536 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2316602-2316727-2316737--14299-2335733- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Im deutschen Reich. 536 sonderlichen Erfolge erzielt. Ihr „bester Mann", Geh. HofraL Opitz, für den der Reformer Oswald Zimmermann eine Lanze gebrochen hatte, fiel in feinem bisherigen Wahlkreise Treuen glänzend durch, erlangte aber im 25. ländlichen Wahlkreise Borna-Frohburg mit Hilfe einiger resormerischer Stimmen doch noch ein Mandat. Die Konservativen, die nur den Wahlkreis Herrnhut gewonnen, aber vier Kreise verloren haben, verfügen nun nicht mehr über die Zweidrittel- Mehrheit. Die sächsische zweite Kammer setzt sich ans 54 Konservativen, 24 Nationalliberalen, 2 Freisinnigen, 1 Reformer und 1 Sozialdemokraten zusammen. Von letzterem, dem Abg. Goldstein- Zwickau, der schon früher einmal dem sächsischen Landtage angehörte, erwartet man, daß er als „Hecht im Karpfenteiche" einen ziemlich scharfen Ton anschlagen wird. Das Ergebnis der Wahlen für die antisemitische Reformpartei ist aber geradezu kläglich; daß sie gegen den Willen Zmmermanns den Gutsbesitzer Bohne dem konservativen Parteiführer Opitz entgegen stellte, ließ im Wahlkreise Borna-Frohburg ebenso einen Mißerfolg voraussehen wie die Kandidatur des resormerischen Kandidaten Ahlhelm - Dresden im städtischen Wahlkreise Freiberg- Tharandt, in dem der bisherige nationalliberale Abg. Stadtrat Braun- Freiberg mit großer Mehrheit wiedergewählt wurde. Die Kandidatur Ahlhelms war völlig aussichtslos geworden, seitdem dieser radikale Antisemit in einer Wahlrede die Unvorsichtigkeit begangen hatte, zu erklären, daß man mit den Anschauungen der sächsischen Konservativen keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorzulocken vermöge. Danach konnte er auf eine Unterstützung durch konservative Srimmen nicht mehr rechnen, aber er ist sicher nicht der einzige Antisemit, der so denkt, denn der radikale Antisemitismus kann nicht konservativ sein, weil er mit der jetzigen Staats- und Gesellschaftsordnung unvereinbar ist und nur mit den Agrariern liebäugelt, weil auch sie gegen die Juden feindselig auftreten. Wo irgend der Einfluß der Großgrundbesitzer sich intensiv fühlbar macht, wirkt er auch auf die Verhältnisse der den „Berufsantisemiten" Rekruten und Mittel liefernden kleinen Landwirte so ungünstig ein, daß selbst die sonst den Konservativen und Agrariern Heeresfolge leistenden Antisemiten ihren Judenhaß zeitweise vergessen und sich gegen den Teildes Adels wenden müssen, derdurch denLatifundienbesitz große Vorteile erringt. Das ist vorzugsweise im Königreich Bayern der Fall, wo die Großgrundbesitzer die ärmeren Bauern auskaufen und andere Landwirte verhindern, sich etwas zuzukaufen. Diese Uebelstände zwingen selbst ein so judenfeindliches Blatt wie das „Bayerische Vaterland"