Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 535 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 535 anstatt nicht bestanden haben. Es könnte sich also nur um Vorgänge handeln, die zu einer Zeit gespielt haben, als die Deutsche Wacht noch Aktiengesellschaft war und die sich unserer Kenntnis entziehen." Dazu bemerkt die „Leipziger Vo!ks-Ztg.": „Also bestreiren kann die Wacht die Angaben der Rundschau nicht. Aber die „Privathandel der Deutschen Wacht sind rein; sie wißen nichts von dem, was früher in der „Aktiengesellschaft" voraegangm ist." — Vielleicht gibt darüber der Reichstagsabg. Oswald Zimmermann, der Schützling der agrarischen „Deutschen Tageszeitung" nächstens in dieser oder auch in seiner Wochenschrift „Deutsche Reform" einigen Aufschluß. Die strafbaren Handlungen des übrigens schon vorbestraften Direktors Lehleitners bestanden nach der Anklage darin, daß er, der viel in Grundstücksspekulationen und Hypotheken gearbeitet, seiner Gesellschaft die faulsten Hypotheken als Effekten überlasten und diese als „mündelstcher" auch der „Augusta" übergeben hat. Dre Anstatt ist dadurch um zusammen 35 000 Mk geschädigt worden. Direktor Lehleitner soll ferner Genoffensckaftsgelder in Höhe von 30 666 67 Äk. unbefugt aus der Kasse der Versicherungsanstalt entnommen und für seine eigenen Zwecke verwendet haben. Einer der Anklagepunkte betraf auch ein Darlehen von 100 000 Ma^k aus Genoffmschaftemitteln an den Leutnant v. Beskow gegen Hinterlegung einer Lebensversicherungspolice in gleicher Höhe, wodurch Lehleithner ebenfalls die Genostenschaft geschädigt haben soll, da er nickt die Zustimmung des Testamentsvollstreckers für Beskow gehabt habe, und der Leutnant nicht in der Lage gewesen sei, die Zinsen bis an sein Lebensende zahlen zu können. Lehleithner erklärt hierzu, daß ihm ein Urteil des Kammergerichts Vorgelegen habe, nack dem v. Beskow über die Zinsen seines Erbteils habe verfüaen können. In jedem Falle hat ang stchts der Lehleithner- Affäre der Reichstagsabg. Oswald Zimmermann große Voraussicht dadurch bewiesen, daß er sich durch seine Wahlagitation zu Gunsten konservatirer Kandidaten und durch seine Trennung von der die „Los von Rom"-Bewcgung Weiler fördernden „Deutschen Wacht" einflußreiche Freunde sicherte. Der Ausfall der sächsischen Landtagswahl zeigt, d^ß selbst im Königreiche Sachsen der radikale Antisem tismus im Niedergänge begriffen ist und sich an vielen Stellen nur noch durch die Unterstützung des Bundes der Landwirte erhält, der aber auch mehr und mehr an Boden verliert, we l Sächsin durch seine Bodenverhältnisse vorwiegend aus die Industrie angewiesen ist und eine übergroße Rücksichtnahme auf die Agrarier auf die Dauer nicht ertragen kann. Deshalb haben wohl auch die Konservativen bei den diesmaligen Wahlen keine