Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 532 (sequence 9)
- Language
- German
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532 Im deutschen Reich. Wie weit dieses Programm ausführbar ist, läßt sich heute noch nicht beurteilen, aber so viel steht schon fest, daß die „Staatsbürger- Ztg.", die von ihrem jetzigen Mitarbeiter, dem Abg. Oswald Zimmermann, noch vor wenigen Wochen, bald nach seiner Trennung von der „Deutschen Wacht", als das einzige zuverlässige Tageblatt der radikalen Antisemiten bezeichnet worden ist, ihren bisherigen Leiter, den Abg. Wilhelm Bruhn, ausgeschaltet und sich von dieser Partei völlig losgesagt hat. Damit ist die Bruhnsche Richtung in der antisemitischen Bewegung in der Oeffentlichkeit nahezu bedeutungslos geworden, und das Wochenblatt, welches Bruhn unter dem Titel „Wahrheit" (?) jetzt herausgibt, wird daran ebensowenig etwas ändern können wie etwa das Pyritzer Blättchen „Der Mittelstand", falls der Abg. Bcckler es der Resormpartei zur Verfügung stellen sollte. Bei den bevorstehenden StadtverordneLenwahlcn in Berlin dürsten sich diese Verhältnisse bereits klären, da voraussichtlich die nicht mehr reformerische „Staatsbürger - Ztg." sich für den von drei Vereinen der reaktionären Bürgerpartei zum Kandidaten für den 30. Gemeindewahlbezirk 3. Abteilung ausgestellten Rechtsanwalt Ulrich mit Feuereifer ins Zeug legen wird. Andrerseits scheinen es die Anhänger der ehemaligen Leitung der Staatsbürger-Zeitung für möglich zu halten, bei diesen Wahlen selbständig vorzugchen, denn in der am 22. September in dem Saale der Brauerei Bötzow abgehaltenen Versammlung des „Deutschen Antisemitenbundes" ermahnte R. Sommer die Anwesenden dazu, wenn möglich, einige nationale Männer, zu denen auch der Abgeordnete Bruhn gehören müsse, durchzudrücken und als wirkliche Vertreter der Berliner nationalen Bürgerschaft in das Rote Haus zu entsenden. Nachdem der Vorsitzende der Versammlung, Herr Silberstorf, die Anwesenden noch zu energischer Mitarbeit aufgefordert hatte, ging dann noch der Abg. Bruhn auf die Ausführungen der Vorredner näher ein. Immerhin wird es sich empfehlen, sich auf stürmische Versuche, antisemitische Wortführer in das Rote Haus hinemzubringen, gefaßt zu machen. Bei Wahlangelegenheiten gilt stets der Satz „Bereit sein, ist alles!" Die inneren Streitigkeiten der Antisemiten dürfen deren Gegner nicht fahrlässig machen, denn die antisemitischen Splitter pflegen sich stets wieder schnell zusammenzufügen, weil der gemeinsame Haß den Mörtel liefert. Das hat sich im 19. hannoverschen Wahlkreise wiederum gezeigt, in dem der Führer der Cuxbavener Antisemiten, Koch, auf die ihm bei den nächsten Wahlen Zugedachte Reichstags-