Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 531 (sequence 8)
- Language
- German
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unrjcgau. cKJ-L Volksbund" eingetreten. Das Einkommen eines im Solde Krösells stehenden Pyritzer Redakteurs wird ihn auch kaum verlockt haben, weit eher die Möglichkeit, spater das Reichstagsmrndat Krösells zu erlangen, das dieser kaum noch halten kann. Böckler ist s. Zt. in Schlochau-Flatow mit knapper Mujontät als Kompromiß-Kandidat gegen den Polen gewählt worden und kann kaum daraus rechnen, noch einmal in seinem jetzigen Wahlkreise durchzudringen. Dagegen war die Zahl der bei der Nachwahl in dem Pyritzer Kreise für den antisemitischen Kandidaten abgegebenen Stimmen (857 t) eine so ansehnliche, trotzdem der Gegenkandidat ein Konservativer war, daß Herr Böckler diesen Kreis als einen für sich ziemlich ausstchtsvollen ansehen kann. Aller Wahrscheinlichkeit nach hängt der Rückzug Böcklers nach Pyritz aber auch mit dem Ausscheiden des Herrn Wilhelm Bruhn aus der Geschäftsleitung der „Staatsbürger-Zeitung" zusammen, die Herrn Hans Frey tag übertragen worden ist. Der Rücktritt Wilhelm Bruhns von dem Verlage der „ Staatsbürger-Z tg.", den er vor etwa 6 Jahren übernommen hat, soll nach einer Mitteilung der „Liberalen Korrespondenz" nicht überraschend gekommen sein. Zerwürfnisie rwt der Redaktion, die den Austritt des Abgeordneten Böckler zur Folge hatten, im Verein mit andauernden finanziellen Mißerfolgen des Blattes sind wohl in erster Linie für Bmhn bestrmmend gewesen, die Verbindung mit dem ältesten anlisemitischcn Blatte zu lösen. Einen der Hauptdifferenzpunkte zwischen dem „geschäftseiftigen" Verleger und der Redaktion des Blattes bildete das Verhältnis zu dem Grafen Pückler. Die Art und Weise, wie Bruhn den antisemitischen Schloßherrn von Kl.-Dchirne seit Jahren nicht nur parterpolitifch, sondern auch geschäftlich sich nutzbar zu machen verstand, erregte in der Redaktion je länger je mehr lebhaftes Mißfallen, und so kam es bald zu ernsten Differenzen, aus denen der Verleger jetzt nur die letzten Konsequenzen gezogen hat. Das Ausscheiden Bruhns soll nach der p ogrammatischen Erklärung der „Staatsbürger-Zeitung" gar keinen Wechsel ihrer politischen Grundrichtung bedeuten, aber schon der Zusatz zu dem Titel „Alte Heldsche" kennzeichnet die bevorstehende Rückkehr in frühere Bahnen. Außerdem knüpft die neue Geschästeleitung an das Versprechen, auch ferner die Vorherrschaft des „internationalen,, demokratischen Judentums" bekämpfen zu wollen, die weitere Zusage, daß dabei „Klaisenhaß und Rassenhaß" nicht die Feder fuhren solle, der Kampf sich nicht gegen den einzelnen richten, die Redaktion sich auch bemühen werde, zu verhindern, daß die antijemiti'che Bewegung in die Fehler der Unbesonnenheit verfalle, die ihr zum Nachteil gereichen.