Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 530 (sequence 7)
- Language
- German
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uov oeurscyen meiu). Bruhn kennen gelernt, als von „seinen Landsleuten", da er vor einiger Zeit sich sogar in' die Höhle des Löwen gewagt hat und Herrn Bruhn ebenso kräftig „angepöbelt" hätte wie der „arische" Kapellmeister von Ahlbeck, wenn er nicht der Uebermacht hätte .Weichen müssen. Die Begnffe der „Staatsbürger-Zeitung" von Mannesmut und Tapferkeit sind aber „pücklerisch" abhängig von der Umgebung einer Leibgarde zum Schutze gegen einen einzelnen Angreifer. Die so viel leeres Stroh dreschenden antisemitischen Worthelden bewundern natürlich den Geschmack des schlesischen Magnaten, der durch seine Leibgarde als Juden angekleidete Strohpuppen mit Knüppeln bearbeiten läht. Daß dieses wüste Treiben m Klein-Tschirne masienhaft Neugierige anlockt, aber die früher von dem Grafen nur zu harmlosen Reilübungen eingeladenen bäuerlichen Nachbarn so anwidert, daß sieben gräflichen Einladungen nicht mehr Folge leisten, ist leicht begreiflich. Einen so gesunden Sinn bekunden aber gewisse antisemitischen Vorkämpfer nicht; „wie er sich räuspert und wie er spuckt", das haben sie dem Grafen Pückler „abgegucke". So ist der frühere Pastor und jetzige Reichstagsabgeordncte Krösell aus Pyritz einer Ladung des dortigen Schöffengerichts nicht gefolgt, sondern im Termin einfach ausgeblieben. Er hat bei Gericht ein ärztliches Attest eingereicht, wonach er wegen nervöser Aufregung der H-rznerven innerhalb der nächsten zwei Monate sich jeder geistigen Anstrengungen enthalten müsse, aber das Gericht scheint nicht so lange warten zu wollen, bis sich seine „empfindlichen" Nerven beruhigt haben, da in dieser Strafsache im nächsten Termin auch trotz seiner etwaigen Abwesenheit verhandelt werden soll. Daß die Nerven des jetzigen Pyritzer Druckerei-Direktors bei den ernsten Zerwürfnissen mit seinen früheren konservativen Gönnern gelitten hrben mögen, ist ihm übrigens zu glauben, zumal zu den bisherigen Kümmernissen noch der Schmerz hinzugekommen ist, daß seine Anhänger aus dem Gewerbestande mit dem E ntritt des antisemitischen Rnchstagsabgeordneten Böckler in die Redaktion des Krösellschen Blattes „Der Mittelstand" unzufrieden sind. Herr Krösell hat sie zwar mit der Zusicherung zu beschwichtigen versucht, daß er und Böckler über das, was für den Mittelstand in Stadt und Land gut und nötig scheine, nicht nur im Reichstage, sondern auch in der Leitung des Blattes „durchaus einig" seien. Herr Böckler hat aber diese Zusicherung nicht bestätigt, sondern öffentlich erklärt, daß durch die Verbindung mit Krösell seine fernere Zugehörigkeit zur deutschen Reforwpartei nicht beeinträchtigt werde. Er gehöre „nach wie vor der Reformpartei" an und sei nicht in den „Deutschen