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Im deutschen Reich · 1905-10-01 · Heft 10 (Oktober 1905) · p. 513

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 10 (Oktober 1905)
Article
Konfessionalismus unter den Aerzten
Date
1905-10-01
Page
513 (sequence 3)
Language
German
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Konfessionalismus unter den Aerzten. 513 halten, man hätte ihm das gleich mitteilen sollen, dann hätte er Zeit und Geld gespart und wäre nicht in eine für ihn so peinliche Lage gekommen. Daß Zusätze bis zu einem gewissen Grade gerechtfertigt sind, dürfte auch daraus hervorgehen, daß in einem Falle ein katholischer Kollege, der seine Praxis abgeben wollte, den Zusatz „Protestant" verlangte. Er schrieb: „Es muß ein evangelischer Kollege hier in dem ganz evangelischen Orte sein; ich selbst bin Katholik und gehe hauptsächlich von hier fort, weil ich durch meine Konfession schwer geschädigt bin." Ein jüdischer Kollege bat um Zuweisung eines christlichen Nachfolgers. Er bemerkt dazu: „Ein christlicher Kollege hat an meiner Stelle bei weitem mehr Chancen als ein israelitischer Kollege". Da sich neuerdings die konfessionellen Zusätze, — unter denen übrigens auch die Bezeichnung „Israelit" nicht fehlte — besonders der Zusatz „Christ" wieder stark vermehrt batte, so liefen erneute Beschwerden sowohl aus Frankfurt a. M. als auch anderen Orten ein. Der Vorstand beschäftigte sich mehrfach sehr eingehend mit der Sache und kam nach gründlicher Prüfung zu folgender Ansicht: In Anbetracht daß man 1. nicht alle Augenblicke die Geschäftsordnung ändern könne, daß es 2. Verhältnisse gäbe, die im beiderseitigen Interesse konfessionelle Zusätze rechtfertigten, 3. daß ihre ausnahmslose Unterdrückung eine schwere Schädigung der äußerst wichtigen Stellenvermitrlung und des Verbandes selbst bedeuten würde, — in Berücksichtigung aller dieser Punkte hält er sich nicht für berechtigt, Mitgliedern auf bestimmtes Verlangen konfessionelle Zusätze in ihren Stellenanzeigen zu verweigern, ist aber bereit, sie nach Möglichkeit zu beschränken! —" Es geht aus dem Mitgeteilten freilich hervor, daß der Konfessionalismus nicht nur den Juden, sondern gelegentlich auch Andersgläubigen Abbruch tut, aber in der großen Mehrzahl der Fälle dürste es doch der Jude sein, der verbrannt wird. Es liegt uns fern, den Vorstand des L. V. dafür verantwortlich zu machen, daß er glaubte, der Konfessionalisterung unter den Aerzten nicht entgegentreten zu können; bedenklich bleibt die Tatsache selbst aber darum nicht minder. Sie hat auch, wie wir hören, dazu geführt, daß eine Meihe von jüdischen Aerzten, welche nicht nur dem Verbände als zahlende Mitglieder angehörten, sondern seine Bestrebungen in aufopfernder Tätigkeit zu fördern suchten, aus der Gemeinschaft ausgeschieden ist, weil sie sich die verbands-amtliche Differenzierung der Aerzte nach ihren Glaubensbekenntnissen nicht gefallen lassen wollten. Wenn der

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