Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1905)
- Article
- Konfessionalismus unter den Aerzten
- Date
- 1905-10-01
- Page
- 512 (sequence 2)
- Language
- German
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Öl 2 Mr deutschen Melch. Nebenbei bedeutete das für das. Büro eine bedeutende Entlastung, da infolgedessen eine Menge von Rückfragen nach der Religion der Bewerber weafielen. Ich muß bemerken, daß von vornherein das Verlangen nach Aerzten bestimmter Religion sich nicht gegen jüdische Kollegen wandte, daß vielmehr teils für ausschließlich katholische Gegenden katholische und für ausschließlich evangelische Gegenden evangelische Acrzte verlangt wurden. Erst später kam dann mehr der Ausdruck „Christ" vor. Einige Zeit später wurden auf die Beschwerde eines israelitischen Arztes aus Frankfurt a. M. sämtliche konfessionellen Zusätze Weggelassen. Es dauerte aber nicht lange, so entstanden daraus für uns die allergrößten Unannehmlichkeiten. Die Verbandsmitglieder sprachen uns das Recht ab, die gewünschten Zusätze zu verweigern und verlangten kategorisch die Wiedereinführung. Auf unsere Einwendungen gegen den Ausdruck „Christ", der sich gegen israelitische Aerzte wende — gegen die anderen Zusätze ist bisher weder von katholischer noch von protestantischer Seite Bedenken erhoben worden — erklärten sie, ihr Verlangen beruhe keineswegs aus Antisemitismus, aber sie könnten wegen der Gesinnung der Bevölkerung ihrer Gegend einen Juden als Vertreter oder Assistenten nicht nehmen, wenn sie ihre Praxis nicht schwer schädigen wollten; das könne man ihnen nicht zumuten. Ein Kollege, der seine Praxis mit Grundstück abgeben wollte, gab an, er könne die Verantwortung nicht übernehmen, einem israelitischen Kollegen sein Grundstück zu verkaufen, da er seiner Kenntnis der Verhältnisse nach überzeugt sei, daß er sich nicht halten könnte und demnach über kurz oder lang unter Verlusten wieder wegziehen müßte. Gleichzeitig enthielten solche Schreiben oft die Drohung, für den Fall der Verweigerung der gestellten Forderung, aus die Stellenvermittlung zu verzichten bezw. aus dem Verbände auszutreten. Um weiterer Verbitterung vorzubeugen, mußten wir uns nach mehreren Monaten zur Wiederaufnahme der Zusätze entschließen, umsomehr als wir auch bei beteiligten israelitischen Kollegen wenig Dank für unsere Maßregel geerntet hatten. So kam es vor, daß sich jüdische Vertreter oder Assistenten für eine ganze Anzahl von Stellen meldeten, aber nur abschlägige oder gar keine Antwort erhielten. Sehr oft wurden wir deshalb zur Rede gestellt und Aufklärung verlangt. Es kam aber auch vor, daß einem jüdischen Kollegen schon Zusage erteilt war, daß aber nachträglich Auskunft über Konsesiion eingezogen und die Zusage zurückgenommen wurde. Irr einem Falle wurde dem Kollegen bei seiner Ankunft erklärt, wenn er Israelit sei, so sei eine Anstellung nicht möglich. Der von uns Hingewiesene schrieb dann sehr unge-