Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Dr. F. Pinkus, Studien zur Wirtschaftsstellung der Juden [Rezension]
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 503 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau. 503 bedeutende Finanzquelle waren: sie waren zum Teil Freisassen mit dem Rechte des Grundbesitzes, teilweise hießen sie gleich den Christen Rechrsbürger. „Sie haben während dieser Zeit fast durchweg die internationalen Zweige der Wirtschaft monopolisiert, so daß die von uns so benannte Zwischenwirtfchaft in dieser Zeit einen durchaus großkapitalistischen Handelscharakter zeigt, mit Einschluß des Geldhandels." Eine Veränderung der Lage trat in dem Uebergange zur neueren Zeit ein, äußerlich bedingt durch die Kreuzzüge mit ihrem vernichtenden Fanatismus, der sich gegen Juden ebenso gut wenden zu können glaubte, wie gegen die „Ungläubigen", die Türken. Im Wesen aber war solcher Umschwung nur eine Folge der tiefen Umwälzung, welche die Kreuzzüge im Wirtschaftsleben im Gefolge hatten. „Kapitalist sches Fühlen und Denken" begann sich von den Kreuzzögen an durchzusetzen. Damit war „aber die Ausnahmestellung der Juden als Kapitalisten bedroht, der Kampf gegen ihr Kapitalmonopol" mußte einsetzen, und sobald der Handel in den einzelnen Ländern erstarkt war, äußerte sich der neugeschaffene Zustand in Verfolgungen, am rücksichtslosesten in Spanien, wo d:e Juden völlig vertrieben wurden. Wie überall so auch hier war es weniger religiöser Eifer als wirtschaftlicher Neid, der zu den Mißhandlungen trieb. Nun begann der Verzweiftungskampf zwischen Handwerk und Kapitalismus, und jemehr dieser an Terrain gewann, desto mehr wurden die Juden aus ihren Positionen verdrängt, gezwungen, sich dem kleinen Handel und Schacher zu ergeben. In diese Zeit fallen ihre ärgsten Verfolgungen, die ihren Höhepunkt im 30jährigen Kriege erreichten, dem Entscheidungskampfe der beiden Wirtschaftssysteme. Da der langdauernde Kampf die Kapitalien zum Teil ruiniert hatte, waren sie nach dem Ausgange desselben wieder gern gesehen, hatten aber von neuem zu leiden, als man sich von den Folgen des Krieges wieder erholte. Damit gelangen wir zur Betrachtung der wirtschaftlichen Stellung der Juden in der Gegenwart, der Epoche eines mit Sozialismus vermischten Kapitalismus. Hier zeigt sich, daß sie „in den wirtschaftlich nicht so stark entwickelten Ländern vermöge ihrer kapitalistischen Zwischenwirtschaft den Handel an sich reißen und schnell reich werden. Sie stellen die rein kapitalistische Bourgeois klaffe dar und erregen dadurch naturgemäß Haß und Neid." „In den wirtschaftlich hoch entwickelten Auswanderungsländern unterbreiten . . . . sie die einheimische Arbeiterschaft, drücken wohl auch unter gegebenen Umständen die Betriebsoraamsation . ° . herab und stellen sich durch beide Momente in schürfen Gegensatz zum Sozialismus."