Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 487 (sequence 5)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 487 vor nicht allzulanger Zeit auf Veranlassung eines einflußreichen Ostmarkenpolitikers von hier erhalten hat, schickte. Der äugenblicklrche Besitzer dieses deutschen Hotels ist ein Jude. Das erklärt wohl alles. Ein sonstiger Kommentar ist gewiß überflüssig". Dazu bemerkt das „Berl. Tageblatt": „Der Antisemitismus, verwerflich an und für sich, wie er ist, wirkt in den Ostmarken geradezu der Germanifierungspolitik entgegen." Die „Vossische Zeitung" berichtete am 19. August: „DerRabbinatskandidat vr. Julius Cohen in Berlin, Sebastianstraße 21, und der Obertertianer Karl Glaser in Charlottenburg, Lutherstraße 52, haben am 29. Juli v. I. den Studenten der Medizin Georg Fischer aus Charlottenburg und am 11. August v. I. den Rabbinatskandidaten Theodor Pelz aus Berlin vom Tode des Ertrinkens gerettet. Der Regierungspräsident von Potsdam bringt diese Taten lobend zur öffentlichen Kenntnis. Bemerkenswert ist dabei, daß diesmal nicht nur der Mut und die Entschlossenheit, sondern ausdrücklich auch die Selbstverleugnung hervorgehoben wird, von denen die Taten zeugen." — Daß der mit der „Staatsbürger-Zeitung" beharrlich um die Palme des Antisemitismus ringenden „Kreuz-Zeitung" die von dem Regierungspräsidenten zu Potsdam zwei Juden gezollte Anerkennung wider den Strich gehen würde, war zu erwarten. Sie macht ihrem Aerger durch die Bemerkung Luft: „Jedenfalls halten wir es für keine Schmeichelei, wenn jemandem — fei er nun Deutscher oder Jude — eine gute Tat als ein besonderer Akt der Selbstverleugnung angerechnet wird." — Wenn jemand wie die „Kreuz-Zeitung" noch auf' dem rückständigen Standpunkt steht, im 20. Jahrhundert einen Satz wie „sei er nun Deutscher oder Jude" zu veröffentlichen, wird man es als höchst gleichgiltig betrachten, was er für eine „Schmeichelei" hält. Wir aber freuen uns, daß ein so wackerer Mann wie Herr Dr. Julius Cohen, der Lehrer an der 2. Religionsschule der jüdischen Gemeinde ist, unserem Central-Verein seit seiner Begründung als Mitglied angehört! Der Verein der deutschen Kaufleute (Unabhängige Handlungsgehilfenorganisation, Sitz Berlin), hat seinen Jahresbericht für 1904 herausgegeben, welcher eine weitere gedeihliche Entwicklung des Vereins erkennen läßt. Die Mitgliederzahl ist von 10 451 auf 13 031 gestiegen, auch die Zahl der Ortsvereine und Zahlstellen hat sich beträchtlich vermehrt. Die Statistik über die zum Zwecke sozialer Unterstützung gezahlten Gelder und Fondsanfammlungen beweist eine außerordentliche Leistungsfähigkeit. Der Verein hat das Verdienst, sich stets ausschließlich der Förderung seines Berufsstandes