Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 488 (sequence 6)
- Language
- German
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488 Im deutschen Reich. gewidmet und sich von politischen und konfessionellen Agitationen fern gehalten zu haben. Der Jahresbericht hebt verschiedentlich hervor, daß ihm die hämischen Angriffe aus dem Lager des antisemitischen Handlungsgehilfenverbandes nur Nutzen gebracht haben dürften. 0 Glogau, 2. September. Im 65. Lebensjahre ist hier am 17. v. Mts. ein treues Mitglied des Central-Vereins, Stadtrat Sigismund Moses, gestorben. Der Dahingeschiedene war in diesem Jahre zum Vorsteher der Repräsentanten - Versammlung gewählt worden, der er seit 17 Jahren angehörte. > Schneideumhl, 1. September. Die demnächst erfolgende Uebersiedelung des langjährigen Vorsitzenden der hiesigen Syaagogen- Gemeinde, Herrn Bankier Herz Berliner, nach Berlin erregt hier lebhaftes Bedauern. Herr Berliner war fast 30 Jahre in der Verwaltung der Gemeinde' hervorragend tätig und hat außerdem als Vorsitzender des Wohltätigkeits-Vereins und des Literatur-Verbandes ,,Posen-NordJ ferner im Vorstand des Frauen- und Literatur-Vereins, als Vertrauensmann des Central-Vereins, sowie als Delegierter des D.-J. G.-B. sich um jüdische Institutionen sehr verdient gemacht. sib Königsberg, 2. September. Das bedauerliche Ueberhandnehmen des Antisemitismus innerhalb der Studentenschaft ist bereits soweit gediehen, daß beinahe gar kein Teil des studentischen Dereinswesens non ihm verschont geblieben ist. Selbst diejenigen korporativen Gebilde, welche ihrer Natur nach mit dem Antisemitismus am allerwenigsten zu schaffen hüben, sind zum größten Teil zum prinzipiellen Ausschluß der Juden übergegangen. So ist der Antisemitismus neuerdings auch in dem Kartellverbande naturwiffenschaMcher und medizinischer Vereine zum Siege gelangt. Auf einem Kartelltage dieses Verbandes im vorigen Jahre wurde eine Resolution gefaßt, daß bei der Aufnahme neuer Vereine in den Goslarer Kartellverband — so nennt sich die Bereinigung nach ihrem Vorort — von dem Prinzip ausgegangen werden soll, daß einzelne Alte Herren Juden sein können, daß aber Juden als aktive Mitglieder nicht ausgenommen werden dürfen. Die Vorgeschichte dieses Beschlusses erinnert durchaus an Vorgänge, wie sie bei andern studentischen Gruppen sich abgespielt haben. Auch hier findet man wieder auf der einen Seite einen unklaren Raffenantisemitismus, der in unreifer Weise in Polemiken im Vereinsblatt vertreten wird, auf der anderen Seite eine kleine Minderheit, welche ihre antisemitische Gesinnung mit Rücksicht auf jüdische Alte Herren einigermaßen zu bemänteln sucht. Die Fassung des Beschlußes erklärt sich daraus, daß einzelne dem Verband bereits angehörende Vereine ein direktes Verbot der