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Im deutschen Reich · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. 485

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Berlin
Date
1905-09-01
Page
485 (sequence 3)
Language
German
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Korrespondenzen. 485 gemacht, daß sie einer Zuschrift Raum gegeben haben, in der die Firma Wilhelm Bernhard & Co. in Berlin gegen den Vorwurf in Schutz genommen wird, einem langjährigen Buchhalter deshalb gekündigt zu haben, weil er vom deutsch-naiionalen Verband als Beisitzer für die Kaufmannsgerichtswahlen aufgestellt worden war. Die Behauptung, daß der betreffende Gehilfe nicht deshalb gemaßregelt worden, sondern seine Entlassung schon länger wegen seiner ausgesprochen antisemitischen Tendenzen beabsichtigt gewesen sei, sucht die „Handelswacht" dadurch zu entkräften, daß es sich um einen 52 jährigen Familienvater gehandelt habe. Wenn dem Herrn O. M. feine Arbeitgeber nach den Grundsätzen des deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes nur als „Fremdlinge" geUen, die keinen Anspruch auf das deutsche Vaterland haben, mußte er aber darauf gefaßt sein, daß sie sich gegen einen solchen Angestellten nach dem Grundsätze Rießers wehren würden. Selbst Friedrich Schiller, dem der deutsch-nationale Handlungsgehilfen- Verband doch sicher deutsche Gesinnung nicht abfprechen wird, hat in der „Braut von Messina" erklärt: „Der ist kein Ehrenmann, der den Gebieter läßt verachten!" Das „Berliner Tageblatt" veröffentlicht das nachstehende aus Juist am 13. August abgesandte Schreiben des Düsseldorfer Bilderhändlers I. Sander, der es als Jude rätselhafterweise über sich gebracht hatte, die durch den Antisemitismus gründlich verpestete Nordseeinsel Borkum zu betreten und daselbst einen Bilderverkauf zu etablieren: „Vor sechs Tagen habe ich in Borkum eine Gemäldeausstellung mit Verkauf eröffnet. Das Geschäft ging soweit gut. Mittwoch wurden nachts an meinen Geschäftsräumen durch mehrere Antisemiten die Eingangstüren durch Fußtritte eingedrückt und zwei Gemälde herausgeholt mit der Bedrohung, dieselben zu zerschlagen und gleichzeitig gerufen: „Der Jude muß aus Borkum." Der Hausbursche des Hotels hat die Leute aufgesordert, das Lokal sofort zu verlassen. Nach wiederholten Ermahnungen haben sie sich entfernt. Freitag früh sah ich an allen Häusern Plakate mit der Aufschrift: „Raus mit den Juden aus Borkum." Um 10 Uhr hatte ich Auktion anberaumt. Plötzlich besetzte eine Schar Kinder mit Gewehren (die sogenannte Schwarzweiß-Kompagnie) meine Lokalitäten und fing das sogenannte „Borkumer Lied" zu singen an. Dann kam eine große Anzahl Antisemiten und rief: „Der Jude muß hinaus!" Der Tumult wurde so groß, daß ich sofort die Behörde um Schutz ansuchen mußte. Zwei Gendamen ersuchten die Kinder und die Uebrigen, aus dem Geschäftsräume zu gehen. Das taten sie auch, aber auf der Straße ging die Sache noch schlimmer, es wurde ge-

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