Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 480 (sequence 11)
- Language
- German
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480 Im deutschen Reich. gehen. Wir haben den gelben Fleck abgelegt; wir haben es satt, «.hohe Herren" um etwas zu bitten, und fordern auch von unfern amerikanischen Glaubensgenossen, gleichfalls auf das Bettelngehen zu verzichten. Nur durch Kampf gelangt man zuck Recht. Unsere Rechte fordern wir, aber wir bitten nicht mehr. Was wir fordern, weiß Julius Witte ganz genau. Er war Vorsitzender des Minister- Komitees und hat als solcher Hunderte von Memoranden gelesen, in denen die jüdische Bevölkerung ihm offen, stolz und selbstbewußt alles deutlich gesagt hat, viel deutlicher und besser, als Ihr Amerikaner es zu sagen imstande seid. Nicht bitten, sondern fordern und mahnen soll man, und das können nur wir allein tun, die eben zu fordern haben. Andere Leute und selbst wenn es unsere nahen Blutsverwandten sind, können diese Aufgabe unmöglich für uns auf sich nehmen. Ob Julius Witte aber den guten Willen hat, unsere Forderungen zu erfüllen, wissen wir nicht und können wir nicht wiffen. Aber selbst beim besten Willen hat dieser Mann nicht die Macht dazu. Denn es handelt sich nicht um persönliche Wünsche, sondern um die Aenderung eines ganzen Systems. Diejenigen aber, welche die Macht haben, dieses System zu ändern, wollen es nicht tun. Wir betteln nicht mehr und verbieten auch anderen, es für uns oder gar in unserem Namen zu tun." — Der Schritt, den die amerikanischen Großkapitalisten Oskar Strauß, Seligmann, Jacob Schiff, Levysohn und Krause bei dem mit einer Enkelin des Rabbiners Nurok verheirateten russischen Minister von Witte unternommen haben, war sicher gut gemeint, konnte aber kaum einen Erfolg erzielen, weil dabei nach einer Mitteilung Seligmanns von der in Aussicht stehenden russischen Anleihe nichts erwähnt wurde. Witte erklärte, er selbst sei machtlos, werde aber dem Zaren die Wünsche der amerikanischen Juden unterbreiten. Die während der Friedensunterhandlungen in Portsmouth stattgehabten neuen blutigen Judenhetzen in Jekatarinoslaw, Reval, Warschau und Kertsch werden die jüdischen Bankiers in Amerika belehrt haben, daß es überhaupt nutzlos war, mit einem russischen Minister zu verhandeln, der nur „ein Amt, aber keine Meinung" hat. Dieser Ansicht gibt die Zeitschrift „American Hebrew" vom 5. August folgenden Ausdruck: „Für jüdische Finanzmänner ist nur ein Verhalten zulässig. Es ist ein würdiger, patriotischer und harmloser Standpunkt einzunehmen, indem man es ablehnt, irgend etwas mit der Wiederaufrichtung der gegenwärtigen russischen Regierung zu tun zu haben, gleichviel wie ihre Versprechungen lauten mögen.