Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 479 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 479 des deutschen Kaisers und des Präsidenten des nordamerikanischen Freistaats ist dem langandauernden Blutvergießen ein Ende gemacht worden. Japan hat bei dem Friedensschluß eine nicht hoch genug anzuschlagende Mäßigung gezeigt, die den Sieger ehrt, aber vielleicht noch in eine sehr üble Lage versetzen kann; denn in diesem Falle scheint die russische Feder verdorben zu haben, was das japanische Schwert gut gemacht hat. Darüber braucht man sich in Europa nicht zu grämen, aber Wohl wäre es beklagenswert, wenn der Erfolg der Friedensunterhändler die russischen Machthaber veranlaßt e, alle Zugeständniffe zu widerrufen, die sie in der vorausgegangenen Notlage dem russischen Volke und auch den Vertretern der Großmächte gemacht haben, deren Friedensvernnitelung doch gewiß sich auf die Voraussetzung gründete, daß nicht nur Japan in die Reihe der Großmächte, sondern auch Rußland nun in die Reihe der Kultur- und Rechtsstaaten eintreten werde! Die Zugeständnisse, die dem russischen Volke gemacht wurden, beschränkten sich aus eine „unter Wahrung der selbstherrlichen Gewalt des Zaren" zu berufende beratende Körperschaft, der in dem schwunglosen Manifest des Fanatikers Pobjedonosjews wenigstens unumschränkte Meümngs- und Redefreiheit zugestchert wird. Der Minister des Zaren, Bulygin, hatte die Absicht, die Juden gänzlich von der Teilnahme an der russischen Volksvertretung auszuschließen, aber der Ministerausschuß widersetzte sich diesem, der öffentlichen Meinung ins Gesicht schlagenden Ansinnen. Immerhin ist die große Masse der russischen Juden durch den beschlossenen hohen Wahlzensus so gut wie von der Teilnahme ausgeschlossen, und bie Art, wie voraussichtlich die Wahlen unter Bulygins Aufsicht vorgenommen werden, macht es gewiß, daß die Volksvertretung kaum nennenswerte jüdische Elemente enthalten können wird. Die Nachricht, daß jüdische Notablen aus Amerika sich mit dem als russischen Friedensunterhändler in Portsmouth anwesenden Minister Witte ins Einvernehmen gesetzt hätten, um eine Erleichterung der Lage der russischen Juden durchzusetzen, hat deshalb unter diesen keine dankbare Regung hervorgerufen. Das weitverbreitete russische Jargonblatt „Fraind" erklärt kurz und bündig: „Ungeachtet dessen, daß Ihr im freien Amerika wohnt und wir erst seit einigen Monaten von der Freiheit zu hören beginnen, teilen wir Euch mit, daß wir keine Waisenknaben mehr find, deren man sich mitleidsvoll annehmen zu müssen glaubt. Tausende von Juden haben mit dem System des Bettelns längst gebrochen und wünschen nicht, daß andere Leute in ihrem Interesse auf der alten Bahn weiter