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Im deutschen Reich · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. 478

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-09-01
Page
478 (sequence 9)
Language
German
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478 Iw deutschen Neich. er seine Rede an den Mann bringen konnte". An den Ernst der noch bevorstehenden Pückler - Prozesse scheint er nicht recht zu glauben, was einigermaßen dadurch erklärlich wird, daß man ihn bei den letzten Verhandlungen nicht nötigte, auf der Anklagebank Platz zu nehmen, und der Vorsitzende der Glogauer Strafkammer nicht den „Herrn Angeklagten", sondern das Publikum zurechtwies, als dieses sich durch die ihm von dem Grafen g.machte Entgegnung „Das können Sie nicht beurteilen" erheitert fühlte. Am 26. September wird gegen den Grafen wegen Anreizung zum Ktassenhaß, begangcn durch eine Rede in Bernau, verhandelt werden. Umfangreicher dürfte sich ein darauffolgender Prozeß gestalten, der dem Grafen wegen feiner letzten Berliner Reden und vor allem wegen der auf den Straßen verteilten Flugblätter gemacht wird. Es handelt sich hi r um vier vom Grafen Pückler verfaßte Flugschriften „Die Hyänen des Schlachtfeldes", ,Die Totengräber des Mittelstandes" usw. Diese sogenannten Reden sind nur zum Teil wirklich gehalten worden; einige hat der Graf nur als Flugblatt verbreitet. Um die Drucker und Verbreiter feftzustellen, wurden die Vorstandsmitglieder der „Pückler-Vereinigung" vernommen. Selbst antisemitische Organe bezeichnen diese Prozesse als unheimliche Erscheinungen. Die „Dresdener Rundschau" sagt: „Nach unserer Ansicht sind solche Vorkommnisse nur geeignet, das Ansehen der Justiz zu schädigen. Es gibt doch nur zwei Möglichkeiten: entweder ist der Graf irrsinnig, dann sollte man ihn unschädlich machen; oder er ist zurechnungsfähig, dann sollte man ihn eben so strafen, wie er für derartig grobe Ausschreitungen verdient. Der goldene Mittelweg ist in diesem Falle vom Uebel." Was Graf Pückler, der Bewunderer der Kosaken und „Tschinowniks", im kleinen erfolgreich treibt, das Verhöhnen derer, die berufen sind, ihn für seine Ausschreitungen zur Rechenschaft zu ziehen, das treiben die von ihm Bewunderten im großen. Der russische Zarismus ist dank der Verschmitztheit seiner Diplomatie aus dem verhängnisvollen langen Krieg mit Japan trotz der furchtbarsten Niederlage seiner Landheere und seiner Marine nahezu heil hervorgegangen; denn so tief die Wunden sein mögen, die der Krieg unzähligen Tellen des russischen Volkes geschlagen hat, so arg die Verwüstungen des allgemeinen Wohlstands sein mögen, das Regierungssystem und der „Tschin", die Beamtenmißwirtschast, scheinen trotz des vorhandenen Elends unberührt zu bleiben und durch keine wirkliche Erfüllung berechtigter Forderungen der Kultur und Menschlichkeit aus dem bisherigen traurigen Geleise gebracht zu werd n. Durch de dankenswerten Bemühungen

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