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Im deutschen Reich · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. 477

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-09-01
Page
477 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Umschau. 477 der antisemitischen Partei gibt, die sich nur durch Futterneid erklären lassen. Wie die „Danziger Zeitung" mitteilt, ist zwischen dem Reichstagsabgeordneten O. Böckler, dem früheren Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung", und dem Verleger des Blattes, Bruhn. eine Entfremdung eingetreten, die Herrn Böckler veranlaßt hat, einen Freundschastsbund mit dem früheren Pastor Krösell zu schließen. Krösell gehört bekanntlich dem „Deutschen Volksbund" an, der im Reichstag auch noch durch den Abg. Fröhlich vertreten ist, dem sich nach der Mitteilung der „Danziger Zeitung" der Abg. Böckler anschließt mit der Bitte, „er sei im Bunde der Dritte". Böckler bestreitet zwar die Richügkeit dieser Mitteilung; vielleicht tritt an seine Stelle ein anderer „Volkserretter^ den beiden Volksbündlern nahe, der ehemalige Amtsvorsteher von Klein-Tschirne, Graf Pückler, dem dieses „Rettungsgeschäft" nichts einbringt, sondern viel Geld kostet. Er wollte am 3. September nach etwa zweijähriger Pause die Veranstaltung von Reiterfesten wieder aufnehmen und sich für seine täglichen Attakenritte ein 16 Mann starkes Trompeterkorps beilegen. Die Führung der aus nachbarlichen Gutsbesitzern gebildeten beiden Schwadronen ist seinem jetzigen Inspektor Guhlke und seinem früheren Inspektor, dem jetzigen Besitzer des „Goldenen Ankers" in Glogau, Hans Kirchner, zugedacht. Das Oberkommando behält sich der Graf selbst vor, der übrigens jeder Reiterei eine zwanglose Kneiperei in seinem Schloßhof folgen läßt. Nach einem Bericht des „Berliner Tageblattes" kam das auf den 3. September anberaumte Reiterfest nicht zu stände, weil die „eingeladenen" Bauern fern blieben und sich nur massenhaft herbeiströmende Neugierige einsanden, denen Graf Pückler vom Schloßfenster aus eine Rede zum besten gab, die von Ausfällen gegen die Glogaucr Juden strotzte. In dem Bericht heißt es: „Die johlende Volksmenge rief den Grafen mehrfach „heraus". Diesem Ruf folgte der Graf aufs höchste geschmeichelt; er verneigte sich dankend wie ein Künstler vor dem Publikum. Nachdem seine Kapelle noch einige Herz und Trommelfell zerreißende Stücke zum besten gegeben hatte, verabschiedete sich der Graf mit einem Hoch auf das „deutsche Roß", das den Mann von Sieg Zu Sieg trägt und zu einem schneidigen forschen Kerl erzieht. Obwohl das „Reiterfest" ausgefallen war — den Ausfall hatte der Gras damit entschuldigt, daß die „dusligen Bauern" nicht gekommen seien — kam das Publikum koch auf seine Kosten, und der Graf hat insofern seinen Zweck erreicht, als

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