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Im deutschen Reich · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. 475

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-09-01
Page
475 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 475 Bewegung im benachbarten Böhmen mit in Gang gebrach: hat. Weil er zu Gunsten des Wortführers der sächsischen Konservativen und Agrarier, Opitz, eine antisemitische Sonderkandidatur im sächsischen Wahlkreise Frohburg verhinderte, ist alles vergeben und vergessen. Das katholische Blatt nimmt den Abg. Zimmermann so warm gegen seine empörten antisemitischen Genossen in Schutz, daß die jetzt die ehemalige „deutsch-völkische" antiklerikale Fehde Zimmermanns fortsetzende „Deutsche Wacht" in ihrer Entrüstung sich zu der Aeußerung Hinreißen läßt: „Vielleicht bewahrheitet sich der Satz „unter dem Krummstab ist gut wohnen" auch an Herrn Zimmermann — aber für alle Protestanten Sachsens ist er, nachdem er vor den Augen des römischen Erbfeindes Gnade fand, politisch abgetan." — Dazu bemerkt die »Freie Deutsche Presse": „Von Interesse neben der Meldung der »Deutschen Wacht" über das politische Saltomortale des Reformers Zimmermann ist auch der gehässige Ton, mit dem von dem antisemitischen Blättchen über den Katholizismus abgeurteilt wird." Uebrigens nimmt für Zimmermann, der sich vielleicht nur nach bekannten Vorbildern ein Rückzugsplätzchen bei dem „Bunde der Landwirte" sichern will, auch das Organ der hessischen Antisemiten, das Offenbacher „Deutsche Volksblatt" mit den Worten Stellung: „Die deutsch-soziale Partei, der sich die Radebeuler Reformer anschließen, wird wenig Freude an der Acquisition von Leuten haben, die auf solche Art ihr altes Lager beschmutzt und den Gegnern Waffen gegen den Antisemitismus in die Hand gespielt haben. Wir Hessen sagen zu einem solchen Verhalten — Pfui Teufel!" — Die hessischen Antisemiten haben übrigens gar keinen Grund zur Entrüstung, da sie jahrelang den „Bund der Landwirte" als „Lügenbeutelbund" bekämpft, im vorigen Jahre aber sich mit ihm verbrüdert und dem Abg. Hirsche! gestattet haben, Beamter dieses Bundes zu werden. Aber gerade dieses Zusammengehen der mitteldeutschen Antisemiten mit den Agrariern wird und muß dazu dienen, den Mittelstand davon zu überzeugen, was er von der „Mittelstandsretterei" der Antisemiten zu halten hat. Daß diese Erkenntnis infolge des Verhaltens der reformerischen Parlamentarier sich mehr und mehr Bahn bricht, davon zeugt ein „Eingesandt" des »Bautzener Tageblattes", das an den reformerischen Abg. Gräfe, den Vertreter von Bautzen-Kamenz im Reichstag, gerichtet ist und auf das Steigen der Fleischpreise und anderer Lebensmittel hinweist: „Wo bleiben Sie, Herr Gräfe? Wäre es nicht Ihre Pflicht, im Verein mit Ihren Parteifreunden die Regierung zu Maßregeln zu

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