Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 474 (sequence 5)
- Language
- German
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474 Im deutschen Reich. nicht nur als tönendes Erz und k tagende Schelle zunächst Widerhall findet, aber dann bald spurlos verklingt. Von den einflußreichsten Katholiken sollte vielmehr in Wort und Schrift das Toleranz-Prinzip zur Geltung gebracht und'insbesondere jenem Teil der Zentrumspresse eingeprägt werden, den „nicht auf christlicher Grundlage stehenden", aber ebenso wie die Katholiken „Gott suchenden religiösen Gemeinschaften" weder Schonung noch Achtung angedeihen läßt. Die Redaktionen der „Germania", der „Märkischen Volkszeitung", des Münchener „Bayerischen Vaterlands" und der meisten schlesischen Zentrumsorgane wissen es ebenso gut wie der wenig judunsreundliche Verfasser des „Gegenwart"-Artikels, „daß weder die jüdischen Verleger noch die von ihnen beauftragten christlichen Redakteure" jener sogenannten „Judenpreffe" den religiös gesinnten Juden an die Reckschöße gehängt werden, „für jüdische Interessen einen Finger zu rühren pflegen," daß sie aber niemals von jüdischer Seite veranlaßt werden könnten, sich aller Ausfälle auf katholische Dinge zu enthalten. Aber der Fanatismus verblendet die Ultramontanen so weit, daß sie nicht nur jeden Witz, den irgend ein „Dissident" über die Jesuiten oder römisch-katholischen Zeremonien riskiert, als Ausfluß jüdischer Gesinnung brandmarken, sondern der waschechten Antisemitenpreffe die schwersten Angriffe auf den Katholizismus durchgehen lassen, um mit den Antisemiten als Kampfgenossen gleich darauf wieder auf dieJuden losgehen zu können. Erst wenn dieser Toleranz nach antisemitischer Seite hin ein Ende gemacht würde, wäre dem Tolemnz-Antrag des Zentrums die ihm von vr. Witt beigelegte Fähigkeit zuzutrauen, „die Verhältnisse in der Zukunft zu bessern." Es ist eine wahre Ironie der Tatsachen, daß es selbst von den wohlmeinendsten Mitgliedern des Zentrums den großen jüdischen Organisationen verdacht wird, daß sie nicht auf die um keinen Preis als „Judenblätter" gelten wollenden Zeitschriften ihren Einfluß geltend machen, selbst aber einen sehr großen Teil der Zentrumspresse nicht dahin bringen können, in ihren Spalten jene toleranten Grundsätze walten zu lassen, von denen sich Windhorst und Dr. Lieber leiten ließen, und die auch aus dem letzten Katholikentage wieder zum Ausdruck gelangt sind. Bezeichnend für diesen Unterschied zwischen der Parteileitung und ihrer Presse ist u. er. auch, wie sich jetzt die katholische „Sächsische Dolkszeimng" für den bisherigen Führer der sächsischen Antisemiten ins Zeug legt, für denselben Abg. Oswald Zimwermanu, der als ehemaliger Leiter der „Deutschen Wacht" die „Los von Rom"-