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Im deutschen Reich · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. 473

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-09-01
Page
473 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 473 Dieser Hinweis ist von aktueller Bedeutung, denn zweifelsohne wird der katholische „Toleranz-Antrag" nicht mehr von der politischen Tagesordnung verschwinden. Wenn uns als deutschen Bürgern jüdischen Glaubens auch mehr daran liegen muß, Jnnehaltung verbriefter Rechte zu fordern, als bloße „Duldung", kann es doch als erfreulich gelten, daß unsere katholischen Mitbürger von ihrer wohlorganisierten und einflußreichen parlamentarischen Vertretung belehrt werden, wie sich das starre Festhalten an der eigenen religiösen Ueberzeugung sehr gut mit der Achtung der bürgerlichen Rechte Andersdenkender verträgt. Das ha: in dankenswerter Weise auf dem 52. deutschen Katholikentage in Straßburg der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Dr. Witte-Köln am 21 Aug in einem Vorträge über „Toleranz" mit folgenden Worten getan: „Wir kommen zu der Frage, wie die dogmatische Intoleranz mit der bürgerlichen Toleranz zu vereinigen ist. Man muß auch die religiöse Ueberzeugung Andersdenkender achten, den Grundsätzen der bürgerlichen Toleranz gemäß; das entspricht nicht nur dem Prinzip der Liebe, sondern auch dem Prinzip der christlichen Demut. Geringschätzung und Verletzung anderer Anschauungen ist immerhin ein Zeichen kleinen unedlen Geistes, weshalb wir sowohl den Pfaffenkoller einerseits, wie die Ketzerriecherei andrerseits verurteilen. Mit Recht hat unser Kaiserbetont, daß die wahre Geistesfreiheit in der Achtung der Ueberzeugung Andersdenkender bestehe. Von der Achtung und Schonung, die wir für die Andersdenkenden verlangen, nehmen wir auch jene religiösen Gemeinschaften nicht aus, die nicht auf christlicher Grundlage stehen, aber mit uns ihren Gott suchen. Wenn infolge konfessioneller Verhetzungen in unserem Vaterlande unaufhörlich Zustände sich ergeben, wie sie wohl in keinem anderen Staate der Welt anzutreffen sind, dann können wir es jedenfalls mit gutem Gewissen ablehnen, die Schuld daran zu tragen. Wir pflegen auf unseren Katholikentagen nur unsere eigensten Angelegenheiten, wir pflegen nicht unsere Löffel dabei in fremde Töpfe zu stecken; wir ergehen uns nicht in beschimpfenden Aeußerungen gegen Andersdenkende, wir verlangen nicht die Aufhebung des § 166, weil wir für uns nicht das Recht der Schimpffreiheit in Anspruch nehmen wollen." Der Redner schloß mit den Worten: „Wenn wir erkennen, daß wir im letzten Grunde doch alle auf dem Boden der Offenbarung Gottes stehen, werden sicher die Verhältnisse in der Zukunft sich bessern." Das wird sicher der Fall sein, wenn die auf dem Katholikentage von Dr. Witt - Berlin zum Ausdruck gebrachte Gesinnung

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