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Im deutschen Reich · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. 463

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Ein dunkles Blatt
Date
1905-09-01
Page
463 (sequence 3)
Language
German
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Ein dunkles VlaLL. 463 Konitzer Untersuchungsbehörden irgend welchen Einfluß auszuüben. Ein „Verwirrungs- und Verdunkelungs-Komitee" hat es tatsächlich in Könitz gegeben, aber das war kein jüdisches, sondern ein von Herrn Bruhn und seinen Freunden geleitetes. Dieses Komitee, das durchaus einen „Ritualmord" konstruieren wollte und offenbar ein deutsches „Kischenew" plante, hat es durchgesetzt, daß man nach dem Urheber des Gymnasiasten-Mordes Zunächst in jüdischen Häusern forschte, wo er nicht gefunden werden konnte, weil kein Jude Grund hatte, sich an Ernst Winter Zu vergreifen. Das antisemitische „Nebentribunal" erzielte den Erfolg, die Behörden auf falsche Spuren zu locken, und hat dadurch, gewollt oder nicht gewollt, dem Mörder oder Totschläger Zeit und Gelegenheit gegeben, dre Spuren seiner ruchlosen Tat zu verwischen und selbst der Süafe zu entgehen. Daß nicht die Juden, sondern die Antisemiten und ihre Presse in allen Fällen, wo sie ähnliche Kriminalprozesse besprechen, verdunkeln, beweist schlagend die Kühnheit, mit der sie immer wieder auf die traurigen Fälle von Skurz und Lauten Hinweisen, um die längst überzeugend widerlegte Annahme einer jüdischen Urheberschaft wieder auszufrischen. Der im Jahre 1882 gemachte Versuch duungarischen Judenfeinde, das Verschwinden der Dienstmagd Esther Solymosi zu einem RiLualmord zu stempeln, ist bekanntlich durch die Auffindung der unverletzten Leiche in dem Theißflusse vereitelt worden und die Aussagen eines rachsüchtigen Knaben gegen seinen Vater haben sich dabei als unwahr herausgestellt. 1884 wurde in Skurz bei Pr.'Stargard der Knabe Cybulla ermordet aufgefunden. Er lag in Stücke zerschnitten in einem Sack. Ein gewisser Mankowski lenkte den Verdacht auf den jüdischen Schlächtermeister Josephfon. Der Eifer, mit dem der christliche Schlächter Behrent gegen die Juden hetzte, erregte den Verdacht des Kriminalkommissarius Hoeft. Nachdem Behrent sich verdächtig benommen, auch Mankowski angegeben hatte, der Träger des Sacks, welcher die Leiche enthielt, fei Behrent gewesen, der ungefähr die gleiche Größe hatte wie Josephson, wurde ersterer verhaftet, aber das Geschworenengericht sprach ihn frei. Die Tat blieb unaufgeklärt; Behrent wanderte aber nach Amerika aus, weil die Art der Freisprechung die Zweifel an seiner Unschuld nicht völlig beseitigt hatte, was ihm den Aufenthalt in Skurz verleiden mußte. Am 29. Juni 1891 wurde in Lauten am Rhein der fünfjährige Knabe Johann Hegemann ermordet vorgesunden. Unmittelbar darauf lenkte man den Verdacht auf den jüdischen Schlächter Buschhoff und verbreitete in Lunten und Umgebung Flugblätter, worin man die Juden als die Mörder bezeichnete. Buschhoff

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