Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Ein dunkles Blatt
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 464 (sequence 4)
- Language
- German
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464 Im deutschen Reich. wurde verhaftet, nach den für ihn günstigen Ergebnissen der Untersuchung freigelassen, dann wieder verhaftet und vor das Schwurgericht zu Kleve gestellt. Die zehntägigen Verhandlungen endigten mit der Freisprechung und Haftentlassung Buschhoffs. Am 9. Verhandlungstage sagte der damalige Oberstaatsanwalt Hamm in seinem Plaidoyer: „Wenn auch der wirkliche Täter nicht ermittelt ist, so ist doch für jeden Unbefangenen der große Erfolg erzielt worden, daß gerade durch Eröffnung der Hauptverhandlung es möglich gewesen ist, vor Aller Augen den Beweis zu führen, daß Buschhofs nicht der Täter gewesen ist. Das steht für alle klar da und ist durch die tatsächliche Feststellung des objektiven Befundes erwiesen. Darin dürfen wir uns nicht irre machen lassen." Am Tage darauf erklärte der Staatsanwalt Baumgard in seinem Plaidoyer: „Ich muß bemerken, daß mir bei meiner langen kriminalistischen Tätigkeit noch kein einziger Fall vorgekommen, in dem ein so klarer, zusammenhängender Beweis geführt worden ist, daß der Angeklagte die Tat nicht begangen haben kann, wie in diesem Falle." Daß die Kriminalisten der „Staatsbürger-Zeitung" trotzdem noch auf diesen Fall bei jeder Gelegenheit zurückkommen, um nicht nur „die Juden", sondern auch die „preußischen Kriminalbehörden" zu verdächtigen — dafür gibt es keinen parlamentarischen Ausdruck! Hoffentlich wird es sich auch noch in dem Konitzer Falle bewähren: „Die Sonne bringt es an den Tag!" Dann dürste sich auch dieser Kriminalfall nicht als ein dunkles Blatt in der preußischen Kriminalgeschichte, sondern als eine Kriminalgeschichte in einem dunklen Blatt erweisen! A. L. Die öeste Waffe gegen unsere Keiude. Eine Betrachtung von S. SLeinb erg-Hamburg.*) ser haßerfüllte, von niedrigen Leidenschaften genährte Antisemitismus hat namenloses Unheil über Deutschland gebracht; er hat die Volksseele vergiftet, den Frieden und die Eintracht gestört, in weiten Kreisen Moral und Gesittung erschüttert und damit ein nationales Unglück heraufbeschworen, unter dem nicht nur die Anhänger des jüdischen Glaubens, sondern auch die Gesamtheit des deutschen Volkes *) Wir entnehmen diesen Aufsatz der Nr. 34 des „Israel Familienblattes" in Hamburg.