Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Der Kampf um die akademische Freiheit
- Date
- 1905-09-01
- Page
- 458 (sequence 4)
- Language
- German
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458 Im deutschen Reich. von Studenten zu verbieten, sich auf Grund irgend eines gemeinschaftlichen Gesichtspunktes zu koalieren; mag dies nun ein Prinzip sportlicher, wissenschaftlicher, politischer oder religiöser Natur sein. Es liegt also auf der Hand, daß das Schlagwort vom Kampfe um die akademische Freiheit als Deckmantel für eine in Wirklichkeit freiheitswidrige Sache benützt worden ist. Die Veranstalter der gegen die konfessionellen Verbindungen gerichteten Bewegung hatten bekanntlich ein Glück, das selbst das sprichwörtlich gewordene Schweineglück der Sozialdemokratie in Schatten stellt. Daß ihr Schlachtruf eine seltene Popularität erlangte, daß sie sich durch das unwahre Schlagwort in weitesten Kreisen Sympathien erwarben, auch in solchen, die ihnen ihrer ganzen politischen Haltung nach an sich feindlich gegenübcrstehen, wie beispielsweise bei den liberalen Parteien und bei der liberalen Presse, das verdanken sie einigen behördlichen Ungeschicklichkeiten. Diese waren das bekannte Dictum, die akademische Freiheit sei ein unbekannter Begriff, und der mißglückte Anbiederungsversuch im „Rüdesheimer". Diesen Mißgriffen hat es die Bewegung zu verdanken, daß sie einen so nachhaltigen und allgemeinen Widerhall fand, daß schließlich die Staatsregierung einen ihrer Autorität nicht gerade bekömmlichen Rückzug antreten mußte. Erfreulicherweise beginnt aber jetzt, nachdem sich die Gemüter wieder beruhigt haben, eine Wandlung in der öffentlichen Meinung sich zu vollziehen. Man fängt doch an, das eigentliche Ziel der Bewegung, die angewandten Mittel und ihre Veranstalter kritischer zu betrachten. Man wurde doch einigermaßen dadurch stutzig gemacht, daß diejenigen, welche mit so lauter Entrüstung gegen den Konfessionalismus und die durch ihn verursachte Verhetzung zu Felde zogen, dieselben Korporationen waren, welche zuerst und in gehässiger Weise ein konfessionelles Prinzip in die Studentenschaft hineingetragen und dabei einem beträchtlichen Teile ihrer akademischen Mitbürger ein schweres und kränkendes Unrecht zugefügt hatten. Es waren nämlich die Corps, Burschenschaften, Landsmannschaften, Turnerschaften, farbentragende wie schwarze, welche schon seit vielen Jahren teils nach erklärtem, teils nach stillschweigendem Prinzip die Juden aus ihren Reihen ausgeschlossen haben, und last not 1on8t waren es die Vereine Deutscher Studenten, deren eigentlichen Lebensinhalt und erklärtes Grundprinzip die konfessionelle Verhetzung bildet. Es ist wohl noch niemals mit solcher Nonchalance aus einem Glashause mit Steinen geworfen worden, wie in diesem Falle. Gerade denen, welche in dem Kampfe gegen den Konfesstonalismus