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Im deutschen Reich · 1905-08-01 · Heft 8 (August 1905) · p. 430

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 8 (August 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-08-01
Page
430 (sequence 13)
Language
German
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Im deutschen Reich. m Kultusgemeinde, Ludwig August Frankl, ist. Der nach der Wahl Porzers von Hohersimen und Genossen im Gemeinderat gestellte Antrags nun eine Gasse nach dem unvergeßlichen Dichter Ludwig August Frankl zu nennen, ist einem Ausschuß überwiesen worden. Sonst aber haben die Juden Wiens von dem Lueger-Trabanten Di*. Porzer nichts zu hoffen. Der verstorbene Schriftsteller Otto E ich Hartleben verspottete ähnliche fcischgetaufte Streber durch die Satire: „Hoserverkäufer der Alte, der Junge schon Affe des Giftbaums, Rechtsanwalt und Notar, Arzt oder Rickter sogar. Heissa! Nun gehi's ans Taufen. Man tut es mit möglichster Sorgfalt und aus dem „Christen" entsteht herrlich der Antisemit." Wo solche Kräfte sinnlos walten, wird der Verlust eines Mannes, wie der des von echter Humanität beseelten Wiener Klinikers, Pros. Dr. Nothnagel, der kürzlich im 64. Lebensjahre verschied, doppelt schwer empfunden. Vor Jahren erklärte er in der zweiten Generalversammlung des österreichischen Abwehrvereins wörtlich: „Ich weiß nicht, was größer in einem fühlenden Menschen sein muß: ob der Ekel über das wüste Treiben, welches sich als Antisemitismus bezeichnet, oder der Zorn über dasselbe, oder eine tiefe Traurigkeit darüber, daß eine solche Seelenpest sich verbreiten konnte. Es widerstrebt mir, das traurige Gewirr von Beschränktheit und Schwäche, von Neid und Haß, von allem, was klein und häßlich in der Menschennatur ist, und was in seinem Zusammenwirken die empörende Fratze des Antisemitismus erzeugt hat, psychologisch zu analysierend Seit jener denkwürdigen Rede sind dreizehn Jahre de? stoffen, und über dem Grabe des menschenfreundlichen Forschers tobt der wüste Streit weiter, und Nothnagel hat noch vor seinem Tode erfahren müssen, wie diese „Seelerrpestch m Rußland die Menschevnatur verliert und Gräuel erzeugt hat, die in jedem fühlenden Menschen Schauder und Empörung wachrufen muffen. Während Nothnagels Leiche feierlich bestattet wurde, passierten viele Tausende von unglücklichen russischen Auswanderern die österreichische Grenze, um auf der Flucht über Rumänien sich nach der Schweiz, England und Amerika zu wenden. Die merften dieser Flüchtlinge stammten aus Odessa, das nach der Abfahrt des „Potemkm" etwa 20 000 Juden aus Furcht vor Verfolgungen verlbßen. Die Lage der russischen Juden verschlechtert sich von Tag zu Tag dadurch, daß die Behörden dre Selöstwehr schonungslos der hindern, selbst aber weder die Macht noch den Willen zu haben scheinen, bte am Leben und Eigentum schwer Gefährdeten zu schützen« Zu den in den russischen

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