Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1905-08-01 · Heft 8 (August 1905) · p. 429

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 8 (August 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-08-01
Page
429 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316727-2316735--14071-2335448
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 421) schaftlichen Lage Zu hoffen haben. Die antisemitische Magdeburger „Sachsenschau" ist in dieser Beziehung der im Banne der „Tivoli- Konservativen" befangenen „Staatsbürger-Zeitung" weit voraus. Sie weist die Behauptung der zuweilen ihren „Liman-Aniisemitismus" übstreifenden „Leipziger Neuesten Nachrichten" zurück, wonach die Antisemiten über die übrigens inzwischen beigelegte Affäre des Moll- Heim-Klubs vergnügt gewesen sein sollen, der ihnen als jüdisch galt, während im Prozeß von Hannover fast nur Leutnants, unter den „Harmlosen" Söhne der Aristokratie und in Oldenburg hohe Beamte dem Glücksspiele fröhnten. Die „Sachsenschau" versichert nun, daß die Antisemiten ihreKampfesweise geändert hätten und nur noch die für die jetzige unhaltbare Wirtschaft eintretenden Juden bekämpften, weil die Antisemiten eingesehen hätten, daß Christen und Juden dieselben Scharen zum Skandalmachen stellen und daß nur eine Reform der wirtschaftlichen Gesetzgebung bessere Verhältnisse schaffen könne. Solche Anschauungen zur Geltung kommen zu lassen, paßt aber denen kaum, bte von den früheren antisemitischen Treibereien Nutzen gezogen haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist darauf auch der abenteuerliche Plan des durch den Antisemitismus in Oesterreich zur Würde des Wiener Oberbürgermeisters gelangten Maxi Lueger zurückzusühren, in Berlin eine Zeitung zu erwerben oder zu gründen, die seine Richtung, bezw. die des Vergamschen „Deutschen Volksblattes" vertrete. Lueger selbst oder Vergani sollen vor einigen Monaten in Berlin gewesen sein und Verhandlungen über den Ankauf der „Staatsbürger Zeitung" geführt haben, die sich schließlich zerschlugen. Wäre diese Nachricht 'nicht durch einen Zeugen wie den AbZ. Zimmermann auf dem außerordentlichen Parteitage der sächsischen Reformer verbürgt, so müßte man in sie ernstliche Zweifel setzen. Der Wiener Anüsemitismus ist über die Zeit der Frühlingstriebe langst hinaus und war selbst in seinen besten Zeiten ein urwienerisches Gewächs, das außerhalb der -Kaiserstadt" keinen Boden fand. Da Lueger schon vor Jahren einmal einen Ausflug nach München unternahm, um dieses Gewächs nach Deutschland zu bringen, ein Versuch, der kläglich scheiterte, ist ihm eine ähnliche Geschäftsreise nach Berlin immerhin zuzutrauen, zumal er den Boden durch die „Staatsbürger Zeitung", die „Kreuz-Zeitung" und die Organe Stöckers als für seine Pflanzungen empfänglich erachten konnte. In Men hat er es mit den ^Raffeautisemiten" dadurch verdorben, daß er die Wahl des Gemeinderats Dr. Porzer zum zweiten Vizebürgermeister durchsetzte, der ein Neffe des langjährigen Sekretärs der Wiener jüdischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.