Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-08-01
- Page
- 428 (sequence 11)
- Language
- German
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428 Im deutschen Reich. Studenten Las Recht eingeräumt werden, sich auf Grund eines jeden Prinzips Zusammenschließen zu dürfen, gleichviel ob die Majorität der Studentenschaft mit diesen sympathisiert oder nicht. Der B. I. C. lehnt es daher wie bisher ab, sich an dem Kampf gegen die katholisch-ultramontanen Studentenverbindungen zu beteiligen". — Auch diese im Grunde harmlose Kundgebung vermag die fromme „Kreuz-Zeitung" nicht vorübergehen zu lassen, ohne antisemitisches Gift zu verspritzen. Sie knüpft an die ihr offenbar nicht unwillkommene Stellungnahme der jüdischen Studenten die mindestens überflüssige Bemerkung: „Das hindert aber nicht, daß die politischen Organe des Judentums, voran das „Berliner Tageblatt", diesen Kampf eifrig schüren." Dabei ist der Redaktion der „Kreuz-Zeitung" ganz genau bekannt, daß weder das „Berliner Tageblatt" noch die „Frankfurter Zeitung" den Ehrgeiz besitzen, „politische Organe des Judentums" zu sein, daß aber auch die Gesamtheit der deutschen Juden bedauerlicher Weise nicht in der Lage ist, irgend ein eigenes großes politisches Organ zu besitzen, das von ungetansten Redakteuren geleitet, die politische Gesinnung der deutschen Judenheit ungetrübt zum Ausdruck bringen könnte. Daß das Organ des preußischen Hofadels es nicht unter seiner Würde hält, in echt antisemitischer Weise alles, was ihm nicht in den Kram paßt, nicht etwa nur die christlichen Träger der liberalen Presse, zu Juden zu machen, hat es auch dadurch gezeigt, daß es nach wie vor die bekannte christliche Frauenrechtlerin, Dr. Anita Augspurg, als Sozialdemokratin und Jüdin bezeichnet, trotzdem es längst von dem „Hann. (Courier" belehrt wurde, daß sie weder das eine noch das andere ist. Die Behauptung der „Kreuz-Zeitung", sie habe sich bei dem vorjährigen Frauenkongreß davon überzeugt, daß die Mehrzahl der Besucherinnen jüdische Gesichtszüge trugen", veranlaßt die Erfurter „Tribüne" zu der treffenden Bemerkung: „Nach solchen Leistungen hat Graf Pückler die beste Aussicht, Chefredakteur der „Kreuz-Ztg." zu werden." Jedenfalls bemüht sich schon die jetzige Leitung des edlen Blattes der „Staatsbürger Zeitung" den Rang abzulaufen und die von der Losung der Mittelstandsbewegung geköderten bürgerlichen Gegner der Juden in das Netz der Großgrundbesitzer zu ziehen, die angeblich zu allen Zeiten bereit gewesen sein sollen, ihre eigenen Interessen selbstvergessend dem Nutzen des Bürgerstandes zu opfern. Vielleicht dämmert aber doch einmal selbst in den Köpfen antisemitischer Gewerbtreibenden die Ueöerzeugung, daß sie von diesen so „uneigennützigen" judenfeindlichen Konservativen nicht die geringste Besserung ihrer Wirt-