Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-08-01
- Page
- 426 (sequence 9)
- Language
- German
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-120 Im deutschen Reich. schloß den Austritt aus der Partei, da diese unter der jetzigen Leitung im Niedergang Legriffen sei, und den Anschluß an die DeuLschsozialen. Der Beschluß ist eine Folge der Auseinandersetzungen zwischen der „Deutschen Wacht" und dem Abg. Zimmermann, dem man vorwirst, daß er seine Person über die Partei stelle und ziemlich das ganze Kapital der vormaligen A.-G. „Deutsche Wacht" verwirtschaftet habe. Jedenfalls illustrieren solche Vorgänge die Zerfahrenheit, die bei den antisemitischen Parteisplittern um sich greift. Von dieser Zerrüttung geben auch die Angriffe Zeugnis, die gegen den Abgeordneten des Wahlkreises Kassel-Melsungen Amtsrichter Lattrnarm von den linksstehenden Antisemit n in Hessen gerichtet werden, die ihm seine Eimgungsvsrsuche mit dem Christlich-Sozialen Stöcker« seine Annäherung an das Zentrum und seine Entrüstung über das Simplizisiimus - Gedicht gegen die Veranstalter des Sittlichkeits- Kongresses übelgenommen haben. Bei dem „vaterländischen Bergfest", das auf dem hohen Meißener gefeiert werden sollte;, aber schließlich wesentlich tiefer auf dem Tanzplatze bei Schwalbenthal gefeiert worden ist, hat zwar der Amtsrichter Lattmarin noch neben den Abgg. Liebermann von Sonnenberg, Graf Reventlow und Kaub als deutsch-sozialer Parteiführer paradiert, aber nach den Aeußerungen der Zeitschrift „Das Reich" zu schließen, scheint er jetzt auf dem Sprunge zu stehen, sich als „Vertreter der deutschchristlichen Weltanschauung" dem Anhänge des ehemaligen Hof- Predigers Stöcker anzuschließen, der offenbar aus der Zerfahrenheit in den meisten antisemitischen Fraktionen Nutzen Zu ziehen sucht. Diese Politiker rechnen vielleicht auch nicht ohne Grund daraus, daß der ihre antisemitischen Tendenzen eifrig fördernde Verein deutscher Studenten ihnen fernerhin Rekruten für ihre sogenannten „deutsch - christlichen Weltanschauungen" liefern werde. Gerade dieser Verein hat bereits wesentlich das überall Zersplitternde antisemitische Sprengmittel in das studentische Leben hmemgetragen und diesem Zwar nicht „des Gedankens Bläffe", wohl aber ungesunde Vorurteile „angekränkelt". Unter der falschen Flagge der „akademischen Freiheit" lockte er viele junge Akademiker auf Bahnen, die durchaus nicht Zur Beseitigung des Konfessionalismus, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach nur Zur Verschärfung der konfessionellen Gegensätze führen werden. In einzelnen studeRtifchen Kreisen ist man sich darüber völlig klar, und insbesondere ist diese Ueberzeugung unter den jüdischen Studenten verbreitet, die für eine „echte akademische Freiheit", die keine Spur von Raffen-