Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-08-01
- Page
- 425 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 425 Zu kommen. Genug, die Gemeinsamkeit der Weltanschauung, die freundschaftlichen Bande, die „bewährte" Kampsesgenoffenschaft löst sich in recht viel Egoismus und spekulative Triebe aus. Die Wähler aber, die man für Treu und Redlichkeit, Reinheit und Wahrheit in der Politik mobil zu machen vorgab, erleben als Nachspiel, daß sehr viel schmutzige Wäsche gewaschen wird. So jetzt wieder in der Provinz Sachsen. War da nach Herbert Bismarcks Tode bei der Ersatzwahl in Burg-Genthin (Kreis Jerichow) als antisemitischer Kandidat ein Rechtsanwalt Wohlfahrt aus Genehm in die Arena getreten, dem es die Flugblätterfabrik in Magdeburg laut bezeugte, daß er der lauterste politische Charakter sei, und daß er von der allgemeinen Beliebtheit im Kreise getragen werde, dieweil er selbst sich mit aller Ueberzeugungstreue Zu den „großen" Prinzipien der Partei bekenne. Und jetzt, sechs Monate später, rechnet er es sich zur besonderen Ehre an, keinerlei Beziehungen mehr zur Partei der Antisemiten zu haben, während das Magdeburger Organ feststellt, daß er sich der Partei aufgedrängt habe, daß ihn selbst während des Wahlkampfes noch „kein einziger" von den Parteigenossen, die ihn rednerisch unterstützten, kannte, und daß von der ganzen Gemeinschaft nur „unerquickliche Prozesse wegen Bezahlung der Wahlkosten" übrig geblieben sind." - - Im Königreich Sachsen zeigt sich ebenfalls die Wandelbarkeit der antisemitischen Politiker, von denen auch anderwärts viele den Antisemitismus nur als „Sprungbrett" zu benutzen scheinen. Auf dem außerordentlichen Parteitage der sächsischen Reformpartei soll es zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen über das Verhalten des Vizevorstehers der Dresdener Stadtverordneten, Dr. Hackel, bei der Aenderung des Kommunalwahlrechts gekommen sein. Tatsächlich wäre das neue Wahlgesetz, Lurch das eine Berufswahl nach Bürgerrechtsaltersgraden emgeführt und das UebergewichL der Reformer in der Stadtverwaltung gebrochen wird, unbedingt gefallen, wenn sich der namhafteste Führer der Dresdener Reformer, Pr. Häckel, nicht unerwartet der Abstimmung enthalten hätte. Da das bisherige Organ der Partei, die ^Deutsche Wacht", vorher gegen das Berufswahlrecht sehr energisch angekämpft, der Parteiführer, Abg. Oswald Zimmermann, aber den Standpunkt Häckels vertreten hatte, schlossen auf dcm Parteitage die scharfen Auseinandersetzungen mit der Erklärung der Parteikommission ab, daß die „Deutsche Wacht" nicht mehr als Parteiorgan zu gelten habe. Eine außerordentliche Generalversammlung des Radebeuler Resormvereins be-