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Im deutschen Reich · 1905-08-01 · Heft 8 (August 1905) · p. 424

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 8 (August 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-08-01
Page
424 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Im deutschen Reich. 424 —. schrieben doch am 8. Juli die „Deutsch-Sozialen Blätter": „Und da komme noch Einer und rede vom Polizeistaat!" Ob ein einziger Antisemit strengster Observanz überhaupt „des Kaisers Freund" ist oder sein kann, ist eine vielumstrittene Frage. Mindestens ebenso zweifelhaft ist es, ob einem energischen, zielbewußten Herrscher Politiker behagen können, die offenkundig nach dsm Grundsatz handeln: „Und der König absolut, wenn er uns den Willen tut", aber vor keiner Majestätsbeleidigung zurückschrecken, wenn er einmal einem Juden irgend eine Gunstbezeugung zuwendet. So bezeichnet es die antisemitische „Deutsche Wacht" kürzlich als Mangel an Standesbewußtsein, daß die deutschen Turner, die am Bundesturntage in Indianapolis Leilnahmen, einen Herrn Simon Wolff als Führer und Sprecher ausgesucht, und daß deutscheBiätterspaltenlange Artikel über die Sieger der Kieler Regatten geschrieben haben. Die „Deutsche Wacht" fügte hinzu: „Mögen die Herren Huldschinsky und Simon auch noch so oft in der Nähe des Kaisers geweilt haben und seine Gäste gewesen sein, so bleiben sie deshalb doch, was sie waren, Seefahrer zwar, doch solche aus dem alten Adelsstamm der schon trockenen Fußes einst durch das Rote Meer ging." Wir deutschen Juden erkennen in diesem wohlfeilen Spott nur den antisemitischen Aerger über die für uns hochersreuliche SEaljad;er daß die jüdische Jugend nicht nur auf dem geistigen Gebiete wacker emporstrebt, sondern auch körperlich sich stählt und aus allen Gebieten des Sports Anerkennenswertes leistet. Seefahrer waren die Juden schon vor der Zeit, in der sie als Mitarbeiter des Kolumbus die Neue Welt entdecken halsen; noch höher ehrt sie aber das antisemitische unfreiwillige Zugeständnis, daß- „sie stets bleiben, was sie waren." Dagegen sticht die Wandelbarkeit antisemitischer Politiker nicht gerade vorteilhaft ab. In einem Anikel „Aus der Idealwelt des Antiscmittsmus" verweist die „National-Zeitung" auf diese hervorragend „realistische" Eigenschaft und fügt hinzu: „Von den Führern wird jeder Kandidat bei den Wählern vorgestellt, als sei er in innigster Weise von jeher mit der Partei durch die Bande persönlicher Freundschaft und tiefster Jdeengememschaft verbunden. Ist die Wahl vorbei und die Niederlage besiegelt, dann erlebt man in neun von zehn Fällen ganz eigentümliche Dinge. Entweder stellt sich heraus, daß der Kandidat die antisemitische Gruppe nur als eine Probierstube betrachtet hat, wo der Ehrgeiz, gewählt zu werden, am leichtesten befriedigt werden kann. Oder er ist herangelockt worden, weil die Partei das Vertrauen hatte, mit ihm auf ihre — Rechnung

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