Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-08-01
- Page
- 423 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau- 423 er die Vorladung verloren habe- Nach einem gegen die Warenhäuser gerichteten Vorlrage Pücklers trat ein Christlich-Sozialer, namens Kluge, aus und sagte, daß Pückler besser getan hätte, in Kl.-Tschirne zu bleiben. Bei dieser Aeußerung entzog der Versammlungsleiter dem Redner das Wort, was das Signal Zu einem mächtigen Tumult war. Die Anhänger des Grafen Pückler riefen „Herunter von der Bühne!", die Christlich-Sozialen „Weiter reden lassen!" Es entstand ein Gedränge um den Mann, der feine Zuflucht auf die Bühne nahm, aber wieder heruntergezogen und gestoßen wurde. Bei dem furchtbaren Lärm schloß der Versammlungsleiter die Versammlung. Binnen kurzem war ein ansehnliches Polizeiaufgebot im Saal, das die Teilnehmer hinaus wies. Da am Abend vor dem in Glogau nach langem Zögern angesetzten Termin Graf Pückler in Berlin öffentlich gesprochen hat, wäre es den Behörden sicher leicht gewesen, die allgemein erwartete Flucht des antisemitischen Agitators zu verhindern. Den hauptsächlichsten Beweggrund zu seiner „Abreise" soll die Nachricht gegeben haben, daß zu dem Termin in Glogau der dirigierende Arzt der Plagwitzer Irrenanstalt, Dr. med. Petersen-Borstel als Gutachter über seinen Geisteszustand geladen sei. Der Gras hielt sich inzwischen in Schierke im Harz auf, welchen Ort er wieder schleunig verließ, als er sich dort erkannt sah. Am 3. August kam er, aus Kottbus in Berlin eintreffend, aus dem Görlitzer Bahnhofe hier an, wo durch Kriminalbeamte in unausfäüiger Weise seine Verhaftung erfolgte. Er mußte bald darauf in Begleitung eines Kriminalbeamten die Weiterreise nach Glogau antreten, wo sein Antrag auf Haftentlassung gegen Kaution abgelehnt wurde und er bis zum Verhandlungstermin in Verwahrung blieb. Ueber den Verlauf der Verhandlung, deren Ausgang nach den mit früheren Pückler-Verhan^lrmgen gemachten Erfahrungen nicht überraschte, berichten wir an anderer Stelle (S. 433 dieses Heftes). Ebenso nachsichtig wie die Justiz hat sich die Verwaltung dem Manne gegenüber gezeigt, der die „Klamottenbröder von Berlin" zu „kosakischen" Greuel- Laten aufreizt und seinen Anhang unter ein rotes Banner schart, dessen Inschrift „Des Kaisers Freund, der Juden Feind!" wahrlich niemanden über die Endziele Pücklers täuschen kann, der vorher auch um Bebels Freundschaft geworben hat, um ihn als Bundesgenossen gegen die Juden zu gewinnen, und sich dem von ihm wiederholt geringschätzig behandelten Monarchen wieder zuwendet, weil die Sozialdemokraten sich um keinen Aristokraten scharen können, der durch Wort und Tat leisten darf, was einem ihrer Genoffen übel aenua bekommen würde. Darüber verwundern sich selbst Antisemiten