Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- München
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 369 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 869 Weltbürger, 'kalten feiern wollen. Der Redner, der sehr scharf wurde, wurde durch zahlreiche Zwischenrufe unterbrochen; er schloß mit der Aufforderung, den „höchst traurigen, bejammernswerten Beschluß" des Beirats umzustoßen. Cand. jur. Michael Siegel meinte, die schwache Beteiligung der Süddemschen an der Freien Studentenschaft sei nicht auf den Antisemitismus, sondern auf Jndifferentismus zurückzuführen. Cand. math. Göttler stellte den Antrag, es sollen Juden in den Beirat nur soweit kommen, als sie die christlichen Studierenden in demselben nicht überstimmen können, lieber den Antrag wurde zur Tagesordnung übergegangen. Cand. med. Heyden, der wiederholt versicherte, er sei kein Antrsemit. nannte es einen Hohn auf die Menschheit, wenn ein Jude nach Weimar reise, um dort auf dem Stud ntentag die Münchener Freie Studentenschaft zu vertreten. Im übrigen sollten sich die S^zefsionisten nur zu einer Freien Studentenschaft auftun, man werde ja sehen, ob sie gcnehmiat werde. (Zuruf: Ist genehmigt.) Cm Redner meinte, Dr. Pönsgen hübe durch seine K-itik einen schlimmen Ton in die Versammlung gebracht. Cand. med. Spier, ein Jude, äußerte, nachdem die Juden in den Freien Studentenschaften zuer st - die geistige Führung in der Hand gehabt, seien sie unb quem geworden, und nun suche man sie bei Seite zu schieben. Da der Redner zionistische Tendenzen zum besten gab, erregte er bei einem Teil seiner GLaubensgenoffen scharfen Widerspruch. Cand. Unna pflichtete dem Vorredner bei; durch das BeiratsvoLum sei den jüdischen Studenten ins Gesicht gespuckt worden, und deren Ehre gebiete es ihnen, sich von der Freien Studentenschaft zurückzuziehen. — Cand. Regensburger protestierte als „deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gegen die Bestrebungen der Zionisten, als welchen er Herrn Spier bezeichnet. Der nächste Redner, der sich im Sinne der Herren Spier und Unna auslofsen wollte, wurde nicht zum Worte Zugelaffen. Ein Redner schlug vor, die Freie Studentenschaft solle sich in aller Ruhe auflösen und sich dann wieder neu konstituieren. Cand. Teilhaber warnte die Juden davor, auch in die eventuell entstehende neue Vereinigung einzutreten, da auch dort Juden nicht in den Ausschuß kommen wü-den. Cand. Weriheim protestierte gegen den Versuch, eine Versammlung freier Studenten Zu einer Zionistenversammlung zu gestalten. Cand. Heyden wird vom Vorsitzenden zur Oednung gerufen, weil er einen Antrag als Quark bezeichnet hatte. Der Redestrom ging weiter, ohne daß noch etwas Neues oder Belangreiches Zutage gefördert worden wäre. Um 8/U Uhr konnte dann folgende Resolution mit 98 gegen 56 Stimmen angenommen werden: „Die