Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Berlin
- Date
- 1905-06-01
- Page
- 361 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. S81 Ihren Aerger darüber, düß ihr Erfolg bei den Kaufu annsgerichtswablen doch nicht den hochgespannten Erwartungen ihres antisemitischen Anhangs entsprochen hat, gibt die „Deutsche Handslewacht", das Organ des von uns wiederholt gekennzeichneten „Deutsch-nationalen Handlungsgehilseu-Berbandes" in nachstehender urkomischen Weise Ausdruck: „Unsere jüdischen Mitbürger haben sich teilweise über das Ergebnis der Wahlen zum Berliner Kaufmannsgericht heftig aufgeregt(?). „Im aufgeklärten Berlin 31 deutsch-nationale Gehilfenbeifitzer; an dieser Tatsache achtlos vorübcrzugehen, wäre verfehlt", so jammert der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, und der Leipziger Verband, der jetzt allem Anschein nach aus Mitgliederzuwachs aus den Kreisen jüdischer Kauflmte hofft, vergießt in seinen Verband-. Blättern mehrere Trauen über das ^geschundene" jüdische Volk. Dieses ganze G^tue erweckt den Ar-sch ein, als seien die jüdischen Kaufleute bei den Kanfrrannsgenchtswahlen in Berlin leer ausgegcmgm. Aber das Gegenteil ist der Fall(!). Unter den 100 Prinzipalebeifftzern sowohl, als auch unter den 69 Gehilfenbeisttzern, die unsere Gegner stellen, b-. finden sich so viele jüdische Kaufleute, daß die 31 dcutschnationalen Beisitzer dagegen nur eine Minderheit bilden. Also was wellen denn unsere jüdischen Mitbürger eigentlrch? Der jüdische Centralverein veröffentlicht einen sechsseitigen Aussatz, der von leidenschaftlichem Haß (?) gegen uns trieft. Wir sind weit davon entfernt, das gesamte Judentum für diese Auslassungen verantwortlich zu wachen; denn wir wissen sehr wohl, wie geistig höherstehende Juden, besonders die Zionisten, über d<n Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens urteilen. Jedenfalls fördert aber nichts mehr die Abneigung gegen das Judentum als die Anmaßung und Herrschsucht, die diese Centralvereinsjuden auszeichnet. W.nn wir in einem jüdischen Sraate lebten und das jüdische Volk seine eigenen Richter zu wählen hätte, daun würden sicher keine Grjims gewählt werden. In unserem deutschen Staate dagegen verlangen die Centralvereinsjuden weitgehendste Toleranz; sie begnügen sich besonders im Kausmanusstaude nicht mit der Gleichberechtigung, sie wollen herrschen. Der deutschuationale Verband, der nur Deutsche aufnimmt, soll unterdrückt und verboten werden (?), aber der Centralverein, der nur Juden aufnimmt, soll ungehindert wachsen und gedeihen könnend — Das letztere wünschen und hoffen wir wirklich. Wegen einer von der „Staa.sbürger-Zeitung" am 9. April vor. Jahres unter der U.bersch:ist „Noch eine peinliche Rechtsauwalts- Asfäre" veröffentlichten Notiz halte Herr Rechtsanwalt Adolf Lewinsky nicht nur gegen die Urheberin des ihn verlltzenden, vollständig unbe-